69. Jahrestag des Todes des seligen Priestermärtyrers Petro Werhun
7. Februar 2026
Heute jährt sich zum 69. Mal der Tod des ersten Apostolischen Visitators für die Gläubigen des byzantinischen Ritus in Deutschland und Skandinavien, den der heilige Papst Johannes Paul II. seliggesprochen hat.

Petro Werhun wurde 1890 in Horodok bei Lemberg als Bürger der Österreichisch-Ungarischen Monarchie geboren. Nach dem Abschluss der Volksschule besuchte er erfolgreich das ukrainische Gymnasium und das Lehrerseminar. Während des Ersten Weltkriegs leistete er Militärdienst und wurde verwundet. Nach dem Zerfall der Monarchie trat er in die Ukrainische Galizische Armee ein, um für die Freiheit seiner Heimat zu kämpfen.
1920 geriet Werhun in polnische Gefangenschaft, konnte jedoch nach Deutschland fliehen. Dort reifte in ihm der Entschluss, Priester zu werden. Er studierte an der Karls-Universität Prag Kirchengeschichte Osteuropas, Ukrainistik, Kunstgeschichte und Theologie. An der Ukrainische Freie Universität erwarb er am 15. Oktober 1926 den Doktorgrad der Philosophie.
Am 30. Oktober 1927 empfing Petro Werhun in Lemberg durch Metropolit Andrej Scheptyzkyj die Priesterweihe. Bereits im folgenden Monat entsandte ihn der Metropolit nach Berlin zur seelsorglichen Betreuung der ukrainischen Gläubigen in Deutschland.
Seelsorge in Deutschland
In den ersten Jahren konzentrierte sich seine pastorale Tätigkeit vor allem auf verstreute Arbeiterkolonien und landwirtschaftliche Saisonarbeiter. Mit Beginn des nationalsozialistischen Regimes, insbesondere ab 1939, stieg die Zahl der in Deutschland angeworbenen oder zwangsweise verschleppten Ukrainerinnen und Ukrainer auf etwa 1,5 Millionen.
Trotz begrenzter personeller Ressourcen stellte sich Petro Werhun, der 1937 zum päpstlichen Prälaten ernannt worden war, unermüdlich den wachsenden seelsorglichen Herausforderungen. Er reiste von Ort zu Ort und stand unter ständiger Beobachtung der Gestapo, die bereits 1939 seine Ausweisung plante. Diese konnte nur durch das Eingreifen des päpstlichen Nuntius, Erzbischof Cesare Orsenigo, verhindert werden.
Am 23. November 1940 errichtete Papst Pius XII die Apostolische Administratur für katholische Ukrainer in Deutschland und ernannte Werhun zum Apostolischen Visitator mit den Rechten eines Administrators. Unter seiner Leitung entstand eine organisierte Struktur der ukrainischen Seelsorge in Deutschland: Mehrere Pfarreien wurden gegründet, Schulen in Bremen und Hamburg eröffnet. Etwa zehn Priester unterstützten ihn im Dienst.
In einem Brief vom 8. Juni 1941 schrieb er:
„Ich bin um eure priesterliche Heiligkeit besorgt. Nur wer aus der Fülle des geistlichen Lebens schöpft, kann dieses Leben in die Herzen und Seelen der Gläubigen weitergeben. Sorgt bitte dafür, vor allem vom Geist Gottes und von der Liebe Gottes erfüllt zu sein.“
Eine besondere Verehrung brachte Petro Werhun der Gottesmutter entgegen. 1943 stellte er am Fest der Fürbitte der Allheiligen Gottesgebärerin alle ukrainischen Pfarreien und Missionsstationen unter ihren Schutz. In einem Hirtenbrief schrieb er:
„Bittet immer um Hilfe – und die Gottesmutter wird euch vor allem Bösen bewahren. Dann werden unsere täglichen Sorgen leichter, die Sirenen nicht so furchterregend und der Tod wird nicht erschrecken, denn die Gottesmutter und der Erlöser selbst werden mit uns sein.“
Werhun förderte zudem aktiv den Dialog zwischen Ost und West und organisierte in vielen Kirchen und Seminaren Deutschlands Tage der Ostkirche.
Verfolgung und Martyrium
Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes 1945 blieb Petro Werhun trotz aller Gefahren in Berlin, um weiterhin etwa 5.000 Landsleuten beizustehen. Am 22. Juni 1945 wurde er von sowjetischen Militärangehörigen verhaftet. Wenige Tage später durfte er unter Bewachung ein letztes Mal seine Wohnung betreten, um Mantel, Decke und etwas Wäsche zu holen – danach verlor sich seine Spur.
Später wurde bekannt, dass ihn ein sowjetisches Militärtribunal wegen angeblicher „Kollaboration“ zu acht Jahren Zwangsarbeit verurteilte. Nach Haft im Lager Taischet bei Baikal wurde er nach Ostsibirien verbannt. Obwohl seine Strafe 1953 endete, wurde er erst 1955 entlassen und durfte Angarsk nicht verlassen.
In zunehmend schlechterem Gesundheitszustand verbrachte er seine letzten Lebensjahre in der Verbannung. In einem Brief schrieb er:
„Ich spüre, dass mein Haupt sich bereits dem ewigen Ruheort zuneigt.
Ich möchte mein Leben sehr gern in einem Kloster vollenden.“
Am 7. Februar 1957 starb Petro Werhun in Angarsk und wurde in der gefrorenen sibirischen Erde beigesetzt.
Seligsprechung und Verehrung
Am 27. Juni 2001 sprach Papst Johannes Paul II. während seines Pastoralbesuchs in der Ukraine Petro Werhun zusammen mit 26 weiteren Märtyrern selig, die unter nationalsozialistischer oder kommunistischer Verfolgung ihr Leben für den Glauben hingegeben hatten.
Ein Jahr später wurde sein Grab in Angarsk gefunden und seine sterblichen Überreste erhoben. In den folgenden Jahren gelangten seine Reliquien sowohl in die Ukraine als auch nach Deutschland zurück. Im Mai 2006 übergab Kardinal Lubomyr Husar während seines Deutschlandbesuchs Reliquien des Seligen der Erzdiözese Berlin und der Benediktinerabtei Niederaltaich.
Reliquien Petro Werhuns werden auch im Kathedralsobor der Fürbitte der Allheiligen Gottesgebärerin und des heiligen Apostels Andreas in München aufbewahrt – als Zeichen seiner bleibenden geistlichen Nähe zu den Menschen, für die er sein Leben hingegeben hat.