80 Jahre ukrainische griechisch-katholische Seelsorge in Augsburg

10. Februar 2026

Vor achtzig Jahren – geprägt von Krieg, Gewalt und Vertreibung – gründeten Ukrainerinnen und Ukrainer fern ihrer Heimat in Augsburg eine ukrainische griechisch-katholische Seelsorge. Aus schwierigen Anfängen ist heute eine vielfältige und lebendige kirchliche Gemeinschaft entstanden, die mittlerweile drei Gottesdienstorte innerhalb der Diözese Augsburg vereint.

80 Jahre ukrainische griechisch-katholische Seelsorge in Augsburg

Das Jubiläum wurde mit einer feierlichen Göttlichen Liturgie in Augsburg-Kriegshaber unter Teilnahme von Bischof Bertram begangen, wie die Pressestelle der Diözese Augsburg mitteilt.

Werke der Barmherzigkeit als Maßstab christlichen Lebens

In seiner Predigt bezog sich Bischof Bertram auf das Evangelium vom Gericht des Menschensohnes über die Völker. Er betonte, es handle sich nicht lediglich um eine „eschatologische Vision, die man zur Kenntnis nehmen und dann wieder zum Alltag übergehen kann“, sondern um einen konkreten Ruf Gottes, das eigene Leben schon heute nach Seinen Maßstäben auszurichten:

Wir werden nach unserer Menschlichkeit gerichtet – nicht mehr, aber auch nicht weniger“.

In diesem Zusammenhang sprach der Bischof dem Apostolischen Exarchen für die Ukrainer in Deutschland und Skandinavien, Bischof Bohdan, der krankheitsbedingt nicht teilnehmen konnte, besonderen Dank und Anerkennung aus:

Von der ersten Stunde an dienst Du unermüdlich Deinen Landsleuten – von München aus in ganz Bayern, Deutschland und Europa – und bezeugst unter zunehmend schwierigen gesellschaftlichen Bedingungen eine Kultur der Gastfreundschaft, christliche Offenheit und brüderliche Liebe“.

Ausgehend vom biblischen Zeugnis über das Wirken Jesu Christi hat die Kirche im Laufe der Jahrhunderte sieben Werke der Barmherzigkeit formuliert: die Hungrigen speisen, den Durstigen zu trinken geben, Fremde aufnehmen, Nackte bekleiden, Kranke pflegen, Gefangene besuchen und Tote bestatten. Der Bischof unterstrich:

Nicht jeder von uns ist berufen, all diese Werke zugleich oder in ihrer ganzen Fülle zu erfüllen. Doch es wird der Moment kommen, in dem selbst die besten Ausreden nicht mehr tragen – sie werden uns im Halse stecken bleiben, wenn wir unser Leben mit Gottes Augen betrachten“.

Die Gefahr des Nationalismus

Als besondere Herausforderung der Gegenwart bezeichnete Bischof Bertram den Nationalismus – „eine moderne Form des Stammesdenkens“, die das natürliche Streben, Bedürftigen zu helfen, ideologisch einschränke und jene ausschließe, die angeblich aufgrund ihrer Nationalität „keine Hilfe verdienen“.

Eine solche anerzogene Haltung ist weit verbreitet, doch sie widerspricht dem, was Jesus Christus von uns erwartet“.

Da Christus für jeden Menschen gestorben sei, trügen alle Gemeindemitglieder Verantwortung füreinander. Dieser „Stachel“ des Evangeliums müsse das Herz berühren, damit der Mensch nicht taub werde gegenüber der „leisen, aber beharrlichen Stimme Gottes“. Darin liege die Voraussetzung für Metanoia – die aufrichtige Umkehr zu Gott.

Liturgie im byzantinischen Ritus

Die feierliche Göttliche Liturgie wurde im byzantinischen Ritus nach der Ordnung des heiligen Johannes Chrysostomus gefeiert. Bischof Bertram stand dem Gottesdienst gemeinsam mit zahlreichen Priestern und Diakonen beider Riten aus drei Kontinenten vor. Diese liturgische Tradition reicht bis ins 4. Jahrhundert zurück und ist bis heute die übliche Gottesdienstform in den Kirchen des byzantinischen Ritus. Kennzeichnend sind unter anderem die Ikonostase sowie die besondere Rolle des liturgischen Gesangs.

Ukrainische Geschichte in Augsburg

Die Geschichte der ukrainischen griechisch-katholischen Seelsorge in Augsburg beginnt während des Zweiten Weltkriegs, als das nationalsozialistische Regime Millionen Menschen – vor allem aus Osteuropa – zur Zwangsarbeit deportierte. Nach dem Krieg wurden sogenannte „Displaced Persons“ von den Alliierten in Lagern nach Nationalität zusammengeführt. Augsburg wurde zu einem Zentrum der ukrainischen Diaspora in Mitteleuropa: In zwei Lagern der Stadt lebten bis zu sechstausend Ukrainer, zeitweise tagte hier sogar ein ukrainisches Exilparlament.

Die ersten ukrainischen Gottesdienste fanden in der Somme-Kaserne sowie in der Kirche St. Thaddäus in Augsburg-Kriegshaber statt. Im Frühjahr 1946 feierte erstmals ein Priester der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche die Liturgie in der Kirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit in Kriegshaber – ein Meilenstein für die dauerhafte ukrainische Seelsorgegemeinde. Viele Gläubige, insbesondere aus der Westukraine, kehrten nach dem Krieg nicht in ihre vom sowjetischen Regime zerstörte und besetzte Heimat zurück.

Heute umfasst die ukrainische griechisch-katholische Seelsorge in der Diözese Augsburg drei Gottesdienstorte: Augsburg-Kriegshaber, Hergatz–Wohmbrechts im Allgäu sowie die Kirche Mariä Himmelfahrt in Neu-Ulm, die zugleich administrative Aufgaben wahrnimmt. Nach dem großangelegten russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 ist die Zahl der Gemeindemitglieder erneut deutlich gestiegen.

Die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche ist die größte der mit dem Römischen Apostolischen Stuhl verbundenen Ostkirchen. Sie zählt rund sechs Millionen Gläubige, vorwiegend in der Westukraine. In Deutschland und Skandinavien werden die ukrainischen griechisch-katholischen Gläubigen vom Apostolischer Exarchat in Deutschland und Skandinavien betreut, der seit Beginn des Krieges auf etwa 150.000 Gläubige angewachsen ist.

Quelle: bistum-augsburg.de
Foto: Julian Schmidt

Sehen Sie auch