Bischof Dr. Bohdan Dzyurakh: „Um würdig zu leben, muss der Mensch vor sein ‚Urbild’ treten“

27. Januar 2026

Am 25. Januar 2026 leitete Seine Hochwürdigste Exzellenz Bischof Dr. Bohdan Dzyurakh in der ukrainischen Gemeinde der Stadt Mülheim an der Ruhr die bischöfliche Göttliche Liturgie. In seiner Predigt betonte der Bischof gegenüber den Gläubigen, dass der Besuch des Gotteshauses niemals zufällig sei, denn der Mensch werde vom Geist Gottes selbst hierher geführt. Der Hierarch betrachtete das Evangeliumsgleichnis von zwei Männern, die zum Gebet in den Tempel hinaufgingen, ihn jedoch in völlig unterschiedlichem geistlichen Zustand wieder verließen.

Bischof Dr. Bohdan Dzyurakh: „Um würdig zu leben, muss der Mensch vor sein ‚Urbild’ treten“

An diesem Tag konzelebrierten mit dem Apostolischen Exarchen: Pfr. Dr. Oleh Schepetiak, Dr. Kai Reingold, Domkapitular, Leiter der Abteilung für das pastorale Personal der Diözese Essen, sowie Christian Beckmann, Domkapitular, Pfarrer der Pfarreien Mariä Aufnahme in den Himmel und der heiligen Barbara in Mülheim an der Ruhr.

Wir sind heute nicht von uns aus hierhergekommen – der Geist Gottes hat uns geführt. Wir sind in das Haus Gottes gekommen, um gemeinsam Gott die Ehre zu erweisen“, sagte der Bischof.


In seinen Überlegungen zum Evangeliumsgleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner unterstrich der Prediger, dass der Weg des Menschen zur Fülle des Lebens unweigerlich durch die Begegnung mit Gott führt: „Das menschliche Herz bleibt unruhig, bis es sich mit Gott vereint. Denn der Mensch ist nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen.“

Unter Berufung auf die Worte des seligen Patriarchen Lubomyr Husar erinnerte der Apostolische Exarch daran, dass die wahre Berufung jedes Menschen im Wachsen an Menschlichkeit liege: „Als man ihn fragte, was sein größter Wunsch sei, antwortete er: ‚Ein Mensch zu sein.’ Und er fügte hinzu: ‚Ich verstehe bis heute nicht ganz, was das bedeutet.’“

Ein besonderer Akzent der Predigt lag auf der Gefahr des Pharisäertums – einer äußeren Frömmigkeit ohne Liebe und Demut. Nach den Worten von Bischof Bohdan betete der Pharisäer im Gleichnis in Wirklichkeit nicht zu Gott, sondern zu sich selbst: „Er stand nicht vor dem Angesicht Gottes, sondern vor einem Spiegel. Er lobte nicht Gott – er lobte sich selbst.“

Der Zöllner hingegen, der es nicht wagte, die Augen zum Himmel zu erheben, wurde zum Beispiel echten Gebets:
Obwohl er weit entfernt stand, war Gott ihm nahe. Durch seine Demut schuf er Raum für Gott.“

Bischof Bohdan betonte, dass wahre Religiosität nicht an äußeren Praktiken erkannt werde, sondern an der Liebe zu Gott und zum Nächsten: „Unsere Religiosität erkennt man nicht daran, wie viele Verbeugungen wir in der Kirche machen, sondern daran, ob wir den Nächsten lieben und ihn nicht verurteilen.“

Im Blick auf die Herausforderungen der Gegenwart erinnerte der Bischof auch an die historische Erfahrung der Zerstörung des Glaubens und der Kirchen in Zeiten des gottlosen Regimes und verwies auf eine symbolische Szene aus dem Film „Die Reue“: „Wozu braucht man einen Weg, der nicht zum Tempel führt?“ – ein Satz, der seiner Meinung nach auch heute nichts von seiner Aktualität verloren hat.

Besonders hob der Bischof die Bedeutung des Sakraments der Buße hervor und unterstrich, dass gerade das demütige Bekenntnis der Sünde den Menschen für das Wirken der göttlichen Gnade öffnet: „Wir kommen als sündige Menschen zur Beichte und gehen als Gereinigte, vom Licht der göttlichen Gnade Erleuchtete wieder fort.“

Zum Abschluss dankte Bischof Bohdan allen für das gemeinsame Gebet und rief dazu auf, jeden Gang in die Kirche wertzuschätzen: „Erleben wir die Liturgie so, dass wir die Kirche als bessere Menschen verlassen – menschlicher und näher an dem Bild, nach dem uns der Herr geschaffen hat.“

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