Hirtenbesuch von Bischof Dr. Bohdan bei der ukrainischen Gemeinde in Regensburg

3. Februar 2026

Am 1. Februar 2026, am Sonntag vom Verlorenen Sohn, stattete Seine Exzellenz Bischof Dr. Bohdan der ukrainischen griechisch-katholischen Gemeinde in der Stadt Regensburg einen Hirtenbesuch ab. Im Gotteshaus wurde der Bischof herzlich vom neu ernannten Seelsorger der Gemeinde, Pfarer Roman Shyndyrivskyi, sowie von dessen Vorgänger Pfarer Andrii Dmytryk gemeinsam mit den zahlreich versammelten Gläubigen empfangen.

Hirtenbesuch von Bischof Dr. Bohdan bei der ukrainischen Gemeinde in Regensburg

Während der bischöflichen Göttlichen Liturgie richtete sich Bischof Bohdan mit einer Predigt an die Anwesenden. In seiner Betrachtung des evangelischen Gleichnisses vom Verlorenen Sohn ging er auf die Themen Heimat, Vertreibung, Umkehr und göttliche Barmherzigkeit ein – Themen, die für Ukrainerinnen und Ukrainer, die infolge des Krieges gezwungen waren, ihre Heimat zu verlassen, besonders nah und schmerzlich sind.

In seiner Predigt betonte der Bischof, dass die Heilige Schrift an jeden Menschen gerichtet ist und sich jeder in den evangelischen Bildern wiederfinden kann. Das Gleichnis vom Verlorenen Sohn sei, so der Hierarch, nicht nur die Geschichte eines einzelnen Menschen, sondern eine Beschreibung des Weges weg von der Heimat und des Weges zurück nach Hause.

Besondere Aufmerksamkeit widmete der Prediger dem Schmerz des Verlassens der eigenen Heimat, der den Ukrainerinnen und Ukrainern wohlbekannt ist. Er zog eine Parallele zwischen der heutigen Tragödie des ukrainischen Volkes und den Erfahrungen der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg und erinnerte an die Worte aus dem „Manifest der Heimatvertriebenen“, in dem auf Rache verzichtet und der Wille zum Aufbau eines friedlichen Europas bekundet wird. Der Krieg, so der Apostolische Exarch, sei nicht die Wahl der Ukrainer gewesen, sondern eine schwere Prüfung, die Millionen von Menschen dazu gezwungen habe, ihr Zuhause zu verlassen.


Bischof Bohdan erklärte, dass das Verlassen des Hauses des himmlischen Vaters eine nicht geringere Tragödie sei als der Verlust der irdischen Heimat. Der Mensch sei für das Leben mit Gott und in der Familie Gottes geschaffen, doch die Versuchung, „ohne Gott zu leben“, werde oft als Freiheit getarnt. Dieser Weg, so der Prediger, führe unweigerlich zu innerer Leere und zum Verlust der Würde.

In der Betrachtung der Gestalt des jüngeren Sohnes unterstrich der Bischof, dass die Sünde zwar Erfüllung verspreche, den Menschen jedoch rasch einsam und verwundet zurücklasse. Gott aber wolle nicht den Tod des Sünders, sondern seine Umkehr und sein Leben. Selbst Tränen, so der Hierarch, könnten zu einem Gebet werden, das das Herz Gottes berührt – wie im Fall der Mutter eines Soldaten, die durch den Schmerz des Krieges den Weg zurück zum Gebet fand. Gott, so der Bischof, gehe dem Menschen immer als Erster entgegen und schenke ihm die Würde eines Kindes zurück: „Er kam als Sünder – und wurde zum Sohn.“

Ein eigenes Augenmerk legte der Prediger auf das Bild des älteren Sohnes, der zwar beim Vater blieb, ihm aber im Herzen fern war. Die Nähe zu Gott, betonte der Apostolische Exarch, zeige sich in unserer Haltung gegenüber den Mitmenschen. Mitunter sei es, so seine Worte, leichter, einen offensichtlichen Sünder zur Umkehr zu führen als einen selbstsicheren „Gerechten“.

Zum Abschluss rief Bischof Bohdan jeden zu einer aufrichtigen Gewissenserforschung auf und erinnerte an die Worte des seligen Lubomyr Husar: „Die Beichte ist der Kuss Gottes.“

Gott wartet auf jeden mit ausgebreiteten Armen, bereit zu vergeben, zu heilen und erneut in Sein Haus aufzunehmen“, sagte der Hierarch.

Foto: Alexander Kowert

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