Online-Exerzitien für Familien: Eine Gelegenheit, innezuhalten und Gott zu hören
13. März 2026
Auf Initiative der Kommission für Laien, Ehe und Familie des Apostolischen Exarchats für die Ukrainer in Deutschland und Skandinavien fanden dreitägige Online-Exerzitien für Familien statt. Die geistlichen Vorträge hielt Bischof Venedykt Aleksiitschuk, Bischof der Eparchie des Heiligen Nikolaus der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche in Chicago (Illinois, USA). In seinen Betrachtungen berührte der Bischof wichtige Themen des christlichen Lebens: die Suche nach dem Willen Gottes, den geistlichen Kampf, die Berufung, die Vergebung sowie das Erleben von Glaubenskrisen.

Die Suche nach Gottes Willen und geistliches Wachstum
In seinem ersten Vortrag betonte der Exerzitienleiter, dass das geistliche Leben mit der persönlichen Beziehung des Menschen zu Gott beginnt. Der Mensch ist berufen, den Herrn ständig im Gebet, im Lesen der Heiligen Schrift und in der Teilnahme am Gottesdienst zu suchen.
Der Bischof bemerkte, dass der Glaube kein statischer Zustand ist – er entwickelt und vertieft sich ständig durch die tägliche geistliche Praxis. Deshalb ist der Christ aufgerufen, immer wieder zu Gott zurückzukehren, auch wenn er geistliche Trockenheit oder Müdigkeit erlebt.
Berufung und die Kraft des wahren Verlangens
Der zweite geistliche Vortrag war dem Thema der Berufung gewidmet. Bischof Venedikt betonte, dass das Erkennen des Willens Gottes mit dem aufrichtigen Wunsch beginnt, seinen Platz im Plan Gottes zu finden.
Seinen Worten nach findet der Mensch immer das, wonach er wirklich sucht. Gerade deshalb zeichneten sich die Heiligen durch eine außergewöhnliche Beharrlichkeit in ihrem Wunsch aus, Gott zu erkennen und seinem Willen zu folgen.
Der Bischof ermutigte die Teilnehmer der Exerzitien, ein solches inneres Verlangen in sich zu entwickeln, denn die wahre Berufung offenbart sich jenen, die den Herrn aufrichtig suchen.
Demut, Vergebung und geistliche Prüfungen
Im dritten Vortrag sprach der Bischof über mehrere wichtige Themen – Demut, Vergebung und geistliche Krisen.
Bei der Erklärung der Bedeutung des Gehorsams in der Kirche betonte Bischof Venedikt, dass das Wort „Gehorsam“ vom Wort „hören“ stammt. Deshalb ist jeder Christ – sei es Geistlicher oder Laie – vor allem dazu berufen, auf Gott zu hören. In der Tradition der Kirche bedeutet Gehorsam Aufmerksamkeit gegenüber dem Willen Gottes, während gleichzeitig die Treue zur Heiligen Schrift und zur Lehre der Kirche bewahrt wird.
Über die Vergebung sagte der Bischof, dass sie nicht sofort mit der Liebe zum Feind beginnt. Der erste Schritt ist die Annahme der Realität.
„Ich kann mit dem Verhalten eines Menschen nicht einverstanden sein und ihn nicht verstehen, aber ich kann die Tatsache akzeptieren, dass eine solche Situation existiert. Gott nimmt uns ebenso an, selbst wenn wir sündigen.“
Erst danach, so der Bischof, kann der Mensch schrittweise zur echten Vergebung und zur Liebe gelangen.
Geistliche Krisen als Möglichkeit zum Wachstum
Besondere Aufmerksamkeit widmete der Exerzitienleiter dem Thema der geistlichen Krisen. Er erinnerte daran, dass selbst Heilige Zeiten des Zweifels, innerer Dunkelheit und geistlicher Leere erlebt haben.
Solche Momente sind kein Zeichen eines schwachen Glaubens, sondern können zu einer Gelegenheit für tieferes geistliches Wachstum werden.
„Wenn eine Krise kommt, ist es wichtig, nicht nur zu fragen, warum sie geschehen ist, sondern vor allem darauf zu hören, was Gott durch diese Situation sagen möchte.“
Bischof Venedikt betonte, dass der Glaube nicht immer mit emotionalen Erfahrungen verbunden ist. Oft ist er einfach Treue zu Gott im alltäglichen Leben.
Gott hört niemals auf, an den Menschen zu glauben
Zum Abschluss der Exerzitien erinnerte der Bischof an eine wichtige Wahrheit des christlichen Glaubens: Gott wird vom Menschen niemals enttäuscht.
„Wir können von uns selbst oder von anderen enttäuscht sein, aber Gott hört niemals auf, an uns zu glauben. Gerade dieses Vertrauen Gottes hilft uns, die Prüfungen des Lebens zu bestehen.“
Es ist auch erwähnenswert, dass jeder der 140 Teilnehmer der Exerzitien die Möglichkeit hatte, persönlich mit dem Bischof zu sprechen und ihm Fragen zu stellen, auf die er in seinem Leben Antworten sucht.



