„Folge mir nach!“ (Mk 2,14): Postsynodale Botschaft der Bischofssynode der UGKK
15. Juli 2026
In ihrer diesjährigen postsynodalen Botschaft betonen die Bischöfe der UGKK, dass Berufung kein Beruf, sondern eine innere Antwort auf den Ruf Christi zur Nachfolge ist. Sie rufen dazu auf, diese Gabe von klein auf zu erkennen: in der Familie als „Hauskirche“, in der Pfarrgemeinde und im persönlichen Gebet. Die Synode hebt die besondere Verantwortung der Eltern, Seelsorger und Ordensgemeinschaften bei der Unterstützung junger Berufungen hervor und ruft alle Gläubigen zum unaufhörlichen Gebet auf, damit der Herr der Ernte neue Arbeiter in seine Ernte sende.

„Folge mir nach!“ (Mk 2,14): Die Berufung zum priesterlichen Dienst und zum gottgeweihten Leben in der heutigen Welt
Botschaft der Bischofssynode der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche 2026 an die Eltern, die Jugend, den Klerus, das Ordensleben und die Laien der UGKK in der Ukraine und in der Diaspora sowie an alle Menschen guten Willens
„Da hörte ich die Stimme des Herrn, der sprach: Wen soll ich senden? Wer wird für uns gehen?
Ich antwortete: Hier bin ich, sende mich!“ (Jes 6,8)
Liebe Schwestern und Brüder in Christus!
Versammelt bei der diesjährigen Bischofssynode der UGKK im Marienwallfahrtsort Zarvanytsia haben wir uns mit dem Bewusstsein der pastoralen Verantwortung für das Wohl der uns anvertrauten Herde besonders dem Thema „Berufungspastoral für das Priestertum und das Ordensleben“ gewidmet.
Im christlichen Verständnis ist Berufung kein Beruf, sondern eine Identität, die als Antwort auf den Ruf zur Nachfolge Christi entsteht. Im weiteren Sinne hat jeder Christ seine eigene Berufung: auf dem Weg zum Heil Zeugnis von der Liebe Gottes in der Welt gemäß seinem Alter und Stand abzulegen und in Glaube, Heiligkeit und Liebe zu wachsen. Gleichzeitig sind einige zu einem besonderen Dienst berufen: „Folgt mir nach, ich werde euch zu Menschenfischern machen“ (Mt 4,19). Am häufigsten verwirklicht sich diese Berufung im priesterlichen Dienst oder im gottgeweihten Leben.
Im Laufe der Geschichte unserer Kirche hat der Herr unaufhörlich eifrige Arbeiter in seine Ernte gesandt. Der Ruf Christi führte einst Antonius und Theodosius – die Begründer des ukrainischen Mönchtums – in die Kyjiwer Höhlen. Er war auch der Wegweiser für Graf Roman Sheptyzkyj, der als Metropolit die geistliche Erneuerung unserer Kirche und des ukrainischen Volkes im 20. Jahrhundert leitete. In den Zeiten des atheistischen Regimes folgten junge Suchende der göttlichen Wahrheit dem Ruf des Herrn in den Untergrund, um den Funken der Hoffnung und das Licht des Glaubens inmitten von Dunkelheit, Bösem und Lüge zu bewahren. Später, mit Gottes Segen, antwortete nach dem Hervortreten der Kirche aus dem Untergrund eine große Zahl junger Männer und Frauen auf den inneren Ruf des Herrn „Folge mir nach“ und trat in die wiedereröffneten Seminare, Klöster und Gemeinschaften des gottgeweihten Lebens ein.
Der Heilige Geist erfüllt die Kirche immer mit Arbeitern im Weinberg Gottes, selbst in den schwersten Zeiten der Prüfung. Es gilt nur, offen zu sein für das Geschenk der Berufung, nach dieser Gabe zu streben und sie unaufhörlich im Gebet zu erflehen: „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden“ (Mt 9,37–38). In Dankbarkeit gegenüber all jenen, die bereits auf den Ruf des Herrn geantwortet haben, ermutigen wir Sie, liebe Brüder und Schwestern, Ihre Herzen im Gebet für dieses Geschenk Gottes zu öffnen.
Liebe Jugendliche! Ihr fragt euch vielleicht: Wie ruft Gott zum Dienst in der Kirche? Meistens keimt eine Berufung schon im Kindesalter auf, wenn ein Kind Gottes Güte und Liebe entdeckt und zu verstehen beginnt, wie wichtig diese für sein Leben sind. Der Herr spricht durch die Teilnahme am Leben der kirchlichen Gemeinschaft, allen voran in der christlichen Familie – der „Hauskirche“ –, sowie in der örtlichen Pfarrgemeinde. Er ruft durch sein Wort beim Hören und Lesen der Heiligen Schrift. Er spricht im liturgischen Leben der Kirche durch die Heiligen Sakramente, insbesondere das Sakrament der Beichte, sowie in der Stille des persönlichen Gebets. Der Herr ruft auch durch Menschen, die durch ihr geistliches, freudiges und gottgefälliges Leben anderen helfen, ihn zu erkennen, und sie ermutigen, ihm nachzufolgen.
Berufung in der Kirche ist ein großes Geschenk und zugleich eine große Verantwortung. Sie erfordert Offenheit, die Bereitschaft zum Zuhören, innere Sensibilität und die Fähigkeit, in der Tiefe des Herzens die Stimme Gottes zu vernehmen. Um angemessen auf diesen Ruf zu antworten, muss man die Liebe zu Christus und seiner Kirche pflegen, bereit sein, ein Werkzeug in den Händen Gottes zu werden, und sich für verschiedene Formen des Dienstes öffnen. Betet und arbeitet an euch selbst, wachst in den Tugenden, helft anderen durch Wort und Tat, sich Gott zu nähern. Beteiligt euch aktiv an christlichen Jugendgemeinschaften. Wenn ihr persönliche, familiäre oder gesellschaftliche Schwierigkeiten erlebt – besonders in den Prüfungen des gegenwärtigen Krieges –, pflegt eine persönliche Freundschaft mit dem Herrn Jesus und sucht bei ihm Unterstützung, Trost und Wegweisung für euer Leben. Möge euch dabei die gebetserfüllte Nähe zu seiner Allerheiligsten Mutter helfen, die das Vorbild für die Offenheit gegenüber dem Geschenk der Berufung ist: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort“ (Lk 1,38).
Liebe Eltern! Wir danken Ihnen für Ihren Dienst und ermutigen Sie, ein erfülltes christliches Leben in Ihren Familien zu führen. Begegnet euren Kindern in dem Bewusstsein, dass sie Gottes Kinder sind, die eurer Fürsorge anvertraut wurden. Betet täglich mit ihnen und nehmt gemeinsam aktiv am Leben der Kirche teil. Unterstützt das Bestreben eurer Kinder, Gott und der Kirche zu dienen. Seid für sie ein lebendiges Bild der Liebe Gottes. Lehrt sie durch euer eigenes Beispiel Opferbereitschaft, Großzügigkeit und Vertrauen auf die Gnade des Herrn. Erschließt euren Kindern die Größe des kirchlichen Dienstes und denkt daran, dass den Eltern eines Priesters, Mönchs oder einer Nonne in der Kirche besondere Ehre zukommt als jenen, die ihre Kinder gesegnet haben, ihr Leben Gott zu weihen.
Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst! Gemeinsam mit Ihren Pfarrgemeinden erfüllen Sie eine besondere Aufgabe in der Berufungspastoral – das Wirken des Heiligen Geistes in den Herzen der jüngsten Pfarrangehörigen zu erkennen. Deshalb ist es so wichtig, die Berufung eines jungen Menschen durch aufmerksames Zuhören, Ermutigung und Unterstützung zu begleiten. Das persönliche Beispiel Ihres geistlichen Lebens sowie Ihres freudigen und eifrigen Dienstes im Geiste der Selbsthingabe ermutigt junge Menschen, in Ihre Fußstapfen zu treten. Nicht selten erlischt die Berufung eines jungen Menschen nur deshalb, weil niemand sie rechtzeitig bemerkt und gefördert hat. Pflegt die Berufungen, indem Sie Kinder und Jugendliche zur aktiven Teilnahme an den Gottesdiensten einladen. Treffen Sie sich regelmäßig mit der Jugend, organisieren Sie Wallfahrten und Sommerlager. Laden Sie Seminaristen, Priester und Ordensleute zu Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche ein. Beten Sie vor allem gemeinsam mit der gesamten Pfarrgemeinde um Berufungen. Wenn aus Ihrer Pfarrei Berufungen zum priesterlichen Dienst oder zum gottgeweihten Leben hervorgegangen sind, sorgen Sie dafür, dass die jungen Menschen davon erfahren. Laden Sie diese Personen ein, damit sie in ihrer Heimatpfarrei Zeugnis von ihrem eigenen Berufungsweg ablegen können.
Liebe Brüder und Schwestern in den Ordensgemeinschaften! Seid im Leben unserer Jugend präsent. Lasst die Freude an eurer Berufung für alle in euren Worten und Taten sichtbar werden. Pflegt die evangelischen Räte – Armut, Keuschheit und Gehorsam – im gemeinsamen Leben in der Gemeinschaft, die ein Vorbild für christliche Brüderlichkeit, Schwesterlichkeit und Zusammenarbeit zum Wohl der Kirche Christi und zur Heiligung des Gottesvolkes sein soll. Tragt Sorge für die geistliche Begleitung – geistliche Vaterschaft und Mutterschaft – sowohl in euren Gemeinschaften als auch für jene, die in eure Klöster kommen und dort Unterstützung, Heilung oder Hilfe suchen.
Liebe Brüder und Schwestern in Christus! Wisst, dass Berufungen zum priesterlichen Dienst und zum gottgeweihten Leben ein Zeichen für die Lebenskraft der Kirche sind. Sie bringt unaufhörlich neue Arbeiter für den Weinberg Christi hervor. Eine lebendige Pfarrei ist der Ort, an dem ein junger Mensch dem lebendigen Christus begegnen und seinen Ruf hören kann: „Folge mir nach!“. Eine echte „Hauskirche“ ist die Familiengemeinschaft, die alle Voraussetzungen dafür schafft, dass der Keim einer Berufung zur Reife heranwachsen kann. Wachen wir also alle gemeinsam über dieses große Geschenk und begleiten wir die Berufenen mit unseren Gebeten.
Der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, herabsteige auf jeden jungen Menschen, auf die Eltern, auf die Priester, Mönche und Nonnen, auf jede unserer Pfarrgemeinden und auf unser ganzes Volk und bleibe bei uns allen allezeit.
Im Namen der Bischofssynode
† SVIATOSLAV
am Gedenktag des Heiligen Apostels Aquila,
14. Juli