Bischof Bohdan Dzyurakh: Verklärung beginnt, wenn der Mensch Gott wirken lässt

8. August 2026

Anlässlich des Festes der Verklärung des Herrn reflektiert der Apostolische Exarch für die Ukrainer des byzantinischen Ritus in Deutschland und Skandinavien, Bischof Bohdan Dzyurakh, über die Bedeutung dieses biblischen Ereignisses. Er betont, dass die Erfahrung der Gegenwart Gottes dem Menschen die Kraft schenkt, Prüfungen zu bestehen, die Hoffnung zu bewahren und dem Glauben treu zu bleiben. Nach den Worten des Bischofs stellt das Licht vom Berg Tabor eine Antwort auf die persönlichen Herausforderungen im Leben der Gläubigen dar, wobei eine echte Verwandlung stets in der Begegnung mit Gott ihren Anfang nimmt.

Bischof Bohdan Dzyurakh: Verklärung beginnt, wenn der Mensch Gott wirken lässt

Quelle: synod.ugcc.ua

Das heutige Evangelium führt uns auf einen Berg – den Berg Tabor. Jesus nimmt Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Sie stiegen nicht einfach auf den Berg, um eine schöne Berglandschaft zu bewundern, wie es in unserem Leben oft vorkommt – ich persönlich erinnere mich mit Begeisterung an die jüngste Besteigung der Howerla. Auf dem Berg begegnen die Apostel der Herrlichkeit und der Schönheit Gottes in der im himmlischen Licht strahlenden Person Jesu Christi.

Der Evangelist Matthäus berichtet, dass das Gesicht Jesu wie die Sonne leuchtete. Dies war kein bloßes äußeres Wunder. Auf dem Tabor sahen die Apostel das Licht der Auferstehung noch vor der Golgotha-Erfahrung. In diesem Licht sahen sie den Sieg des Lebens über den Tod, der Liebe über den Hass und der Wahrheit über die Lüge, noch bevor sie Zeugen der Leiden Christi und Seiner glorreichen Auferstehung wurden.

Die Verklärung war für Jesus nicht notwendig. Sie war für die Apostel notwendig. Der Herr wollte sie stärken, damit sie nicht den Glauben verlieren, wenn sie sehen, wie Er verurteilt, gegeißelt und gekreuzigt wird. Das Licht des Berges Tabor sollte ihnen helfen, durch die Dunkelheit von Golgotha zu gehen. Genauso handelt der Herr auch mit uns. Er schenkt uns Momente Seiner besonderen Nähe, damit wir Prüfungen standhalten können, wenn sie in unserem Leben eintreten. Jeder von uns hat seine eigenen Golgotha-Erfahrungen. Der Herr möchte aber auch, dass wir uns an unsere eigenen Tabor-Momente erinnern – an jene Zeiten, in denen Er uns besonders nahe war, in denen Sein Licht unser Leben erhellte und uns half, die Wirklichkeit tiefer zu verstehen, in denen unsere Herzen von Hoffnung erfüllt wurden und wir uns sehnten, für immer bei Ihm zu bleiben.

Die Gegenwart Gottes lässt einen Menschen niemals so zurück, wie er vor der Begegnung mit Gott war. Sie verändert das Herz. Sie verwandelt die Weltanschauung. Sie erneuert die Beziehung des Menschen zu Gott, zu den Mitmenschen, zu sich selbst und zur gesamten Schöpfung. Allmählich verwandelt die Gegenwart Gottes das menschliche Herz und die gesamte menschliche Wirklichkeit.

Ich erinnere mich daran, wie wir während einer regulären Sitzung der Ständigen Synode unserer Kirche, die in Madrid stattfand, eine der Abteilungen der lokalen Caritas besuchten. Am meisten bewegte mich dabei nicht nur ihr Dienst an den Bedürftigen, sondern auch die Gesichter der dort arbeitenden Menschen: Ihre Gesichter strahlten Güte, Frieden, Freude und Liebe aus. Mir kamen die Worte eines bekannten kirchlichen Gesangs in den Sinn: ‚Ubi caritas et amor, Deus ibi est‘ – ‚Wo die Liebe und die Güte sind, da ist Gott‘.

Und wo Gott ist, beginnt sich alles zu verändern. Wo Christus ist, geschieht Verklärung. Der Mensch beginnt, die Welt und seinen Nächsten mit anderen Augen zu sehen – mit dem Blick der barmherzigen Liebe Gottes. Familienbeziehungen werden erneuert und geheilt. Menschen und Völker verlieren selbst inmitten von Krieg und Leid nicht die Hoffnung. Die Liebe Gottes macht möglich, was menschlich unmöglich erscheint.

Deshalb ist das Fest der Verklärung nicht nur das Gedenken an ein längst vergangenes Ereignis. Es ist ein Ruf, Christus zu erlauben, auch unsere Gegenwart zu verklären. Wie geschieht das? Vor allem, wenn wir unsere Herzen im Sakrament der Versöhnung und der Buße reinigen. Wenn wir auf Sein Wort hören, denn auch heute ruft der Vater wieder: ‚Dies ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören!‘ Und ferner, wenn wir dieses gehörte und angenommene Wort Gottes in Taten der barmherzigen Liebe umsetzen. Denn die Liebe selbst ist das überzeugendste und sichtbarste Zeichen der Gegenwart Gottes im menschlichen Leben und im Leben eines Christen.

Bitten wir den Herrn heute um eine besondere Gnade: in Seiner Gegenwart zu leben und Seiner Liebe zu erlauben, unsere Herzen immer mehr zu erfüllen und zu verklären. Dann wird die Verklärung nicht nur ein großes Fest im Kirchenkalender sein, sondern ein bedeutendes und lebensspendendes Ereignis in unserem persönlichen christlichen Leben. Denn ein Mensch, der in der Gegenwart Gottes lebt, beginnt Sein Licht auszustrahlen und wird für andere zu einem Zeichen der Hoffnung und des göttlichen Lebens.

† Bohdan Dzyurakh
Apostolischer Exarch in Deutschland und Skandinavien


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