„Berufung ist eine Begegnung zwischen Gott und dem Menschen“: Bischof Andrii Khimiak beim „Geistlichen Impuls“ des Apostolischen Exarchats
9. September 2026
Im Apostolischen Exarchat für die Ukrainer des byzantinischen Ritus in Deutschland und Skandinavien fand das Online-Treffen der Priester mit dem Bischof unter dem Titel „Geistlicher Impuls“ statt, bei dem aktuelle seelsorgliche Fragen erörtert werden. Als Gastreferent sprach Bischof Andrii Khimiak, Weihbischof der Erzeparchie Kyjiw der UGKK und Sekretär der Bischofssynode der UGKK. Er stellte die Beschlüsse der jüngsten Bischofssynode vor und hielt einen Vortrag über die Berufung zum Priester- und Ordensleben.

Zu Beginn des Treffens hieß Bischof Bohdan Dzyurakh die neuen Seelsorger Pfr. Dr. Mykola Dobra und Pfr. Yurii Karvatskyi willkommen. Zudem wurden Seelsorger gewürdigt, die ein Dienstjubiläum feierten.
Berufung als Begegnung zwischen Gott und dem Menschen
Bischof Andrii Khimiak betonte, dass eine Berufung weder ein Beruf noch eine gewöhnliche Lebensentscheidung sei. „Die Berufung zum Priestertum ist eine Begegnung zwischen Gott und dem Menschen“, erklärte er und ergänzte, dass jede Berufungsgeschichte einzigartig und unverwechselbar sei.
Berufungskrise vor dem Hintergrund wachsender Aufgaben der Kirche
Der Referent wies auf den spürbaren Rückgang der Zahl der Seminaristen in den Priesterseminaren hin, während der Bedarf der Kirche an Seelsorgern in den Pfarreien sowie in der Militär-, Kranken- und Hochschulseelsorge stetig wächst. Trotz der durch Krieg und Migration verursachten demografischen Krise in der Ukraine betonte Bischof Andrii Khimiak: „Der Herr beruft nicht einen bestimmten Prozentsatz der Neugeborenen. Er beruft jeden Menschen ganz individuell.“
Familie, Pfarrei und Kriegserfahrungen als Nährboden für Berufungen
Als wichtigstes Fundament für das Erkennen einer Berufung bezeichnete der Bischof die Familie: „In einer Familie, in der Vater und Mutter jeden Sonntag zur Kirche gehen, bleiben 97 Prozent der Jugendlichen auch nach der Pubertät in der Kirche.“ Als zweiten wesentlichen Faktor nannte er die Pfarrgemeinde und das persönliche Vorbild des Priesters, wobei er zugleich auf einen Mangel an Vorbildern unter den Priestern hinwies. Zudem sprach Bischof Andrii über die Erfahrungen des Krieges, die junge Menschen trotz Leid und Verlusten zu einer tieferen Suche nach dem Sinn des Lebens und in manchen Fällen zu der bewussten Entscheidung bewegen, ihr Leben Gott zu weihen.
Systemische Beschlüsse der Bischofssynode: Beauftragte für Berufungspastoral
Bei der Vorstellung der Beschlüsse der Bischofssynode erläuterte Bischof Andrii Khimiak die Einführung des Dienstes eines Beauftragten für Berufungspastoral in jeder Eparchie. Dabei handle es sich um einen Priester, der nicht der Anwerbung diene, sondern jungen Menschen in den Pfarreien helfe, Gottes Ruf zu erkennen, mit Jugendgruppen arbeite sowie Tage der Berufung, Lager und Exerzitien organisiere. Er erwähnte zudem den Vorschlag, dass das Engagement eines Priesters bei der Förderung von Berufungen künftig auch bei kirchlichen Auszeichnungen berücksichtigt werden könne.
Herkunft neuer Berufungen und Herausforderungen der Gegenwart
Der Referent benannte mehrere Umfelder, aus denen gegenwärtig am häufigsten neue Berufungen hervorgehen: Priesterfamilien, kinderreiche Familien auf dem Land, Jugendliche aus herausfordernden oder alleinerziehenden Familien, Ministranten, charismatische Gemeinschaften sowie ehrenamtliche Engagementerfahrungen in Kriegszeiten. Demgegenüber wies er auf Herausforderungen für heutige Seminaristen hin, wie den Mangel an „digitalem Asketismus“, den kulturellen Individualismus und eine zunehmende psychologische Verletzlichkeit junger Menschen.
Authentizität als zentrales Anliegen der Jugend
Zum Abschluss seines Vortrags hob Bischof Andrii Khimiak hervor, dass junge Menschen heute vor allem die Authentizität des Priesters sowie die Übereinstimmung zwischen Predigt und Lebensführung suchen. Als Beispiel führte er das Exarchat Donetsk an, wo sich die Jugend um den ortsansässigen Bischof schare, der sie begleite. Der Bischof rief die Priester dazu auf, angesichts von Schwächen oder Verletzungen potenzieller Kandidaten nicht den Mut zu verlieren, sondern deren Aufrichtigkeit, Offenheit und die Suche nach Sinn im Leben zu erkennen.
Seelsorgliche Angelegenheiten des Exarchats
Zum Ende des Treffens besprach Bischof Bohdan Dzyurakh mit den Seelsorgern aktuelle Angelegenheiten sowie geplante pastorale Veranstaltungen der Kommissionen des Apostolischen Exarchats.




