Bischof Bohdan besucht erstmals die ukrainische Gemeinde in Görlitz
29. Oktober 2026
Am 25. Oktober 2026 besuchte der Apostolische Exarch für die Ukrainer des byzantinischen Ritus in Deutschland und Skandinavien, Bischof Bohdan Dzyurakh, die ukrainische Gemeinde in Görlitz. Es war die erste Begegnung des Bischofs mit den Gläubigen der Gemeinde, die mit ihm gemeinsam die Göttliche Liturgie feierten.

Die der Ukraine nächstgelegene Gemeinde
Bei der Begrüßung erinnerte der Bischof daran, dass diese Gemeinde am weitesten östlich von München liegt, wo sich seit 1959 der Sitz des Apostolischen Exarchats befindet. Zugleich ist sie geografisch von allen Gemeinden des Exarchats der Ukraine am nächsten.
| „Für uns alle, wo auch immer wir uns befinden, ist die Ukraine immer nah, denn sie lebt in unseren Seelen und Herzen. Und auch wenn der Feind versucht, uns zu trennen und über die ganze Welt zu zerstreuen, sammelt uns der Heilige Geist zu einer einzigen ukrainischen Familie.“ |
In der Liturgie brachte die Gemeinde die ganze Heimat vor den Thron des Allerhöchsten – vom vorübergehend besetzten Donbas bis nach Transkarpatien, von der ukrainischen Krim bis nach Sumy.
Die Liebe beginnt mit einem aufmerksamen Blick
In seiner Predigt betrachtete Bischof Bohdan das Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus (Lk 16,19–31). Er betonte, dass allein Gott die Quelle der rettenden Liebe ist. Glaube und Gebet sind der Weg, auf dem der Mensch sich dieser Quelle nähert, damit sich die Liebe Gottes dann durch seinen Dienst im Volk ausbreitet.
| „Und womit beginnt die Liebe? Mit einem aufmerksamen Blick. Wir sprechen von ‚Liebe auf den ersten Blick‘ – nicht auf das erste Wort, sondern eben auf den ersten Blick.“ |
Genau ein solcher aufmerksamer und liebevoller Blick fehlte nach den Worten des Predigers dem reichen Mann im Gleichnis: Er sah Lazarus mit seinen leiblichen Augen, doch sein Herz blieb verschlossen. Die täglichen üppigen Gelage bezeichnete der Bischof als Ausdruck von Leichtfertigkeit und geistiger Enge, die kalte Gleichgültigkeit des Reichen aber als das, was sich für ihn in der Ewigkeit in das Feuer der Gewissensbisse verwandelte.
„Lieben heißt teilen“
Der Bischof unterstrich, dass das Wort Gottes zugleich Warnung und Lehre ist, die den Menschen für die Nöte seiner Nächsten empfindsam machen will:
| „Das Gegenteil der Liebe ist nicht nur der Hass, sondern auch die Gleichgültigkeit.“ |
Mit Blick auf das Wunder der Brotvermehrung bemerkte Bischof Bohdan, dass das Problem der Jünger nicht so sehr im Mangel an Mitteln lag, sondern darin, zu lernen, das zu teilen, was man hat. Gott verlange vom Menschen keine außergewöhnlichen oder heldenhaften Opfer, sondern wolle vor allem sein Herz wahrhaft menschlich machen.
| „Ein Krümel Aufmerksamkeit, ein Krümel Zeit, ein Krümel Aufrichtigkeit, ein Krümel Lächeln, ein Krümel des eigenen Brotes, den wir mit dem Nächsten teilen – all das vermag die Welt zu verwandeln, wenn es aus dem Herzen eines Menschen kommt, das vom Geist Gottes verwandelt ist.“ |
Zum Schluss der Predigt rief der Bischof die Gläubigen auf, den Herrn um die Verwandlung der Herzen zu bitten, damit die Liebe Gottes, die in den Menschen und durch sie wirkt, sie und „unsere geliebte Ukraine“ rette.












