Bischof Bohdan ruft 2027 zum Gedenkjahr des seligen Priestermärtyrers Petro Werhun aus
27. Oktober 2026
Der Apostolische Exarch für die Ukrainer des byzantinischen Ritus in Deutschland und Skandinavien, Bischof Bohdan Dzyurakh, hat das Jahr 2027 zum Gedenkjahr des seligen Priestermärtyrers Petro Werhun ausgerufen. Das Gedenkjahr wird im Exarchat vom 30. Oktober 2026 bis zum 1. November 2027 begangen.

Aus diesem Anlass hat sich der Bischof mit einem Hirtenbrief an den Klerus, die Ordensleute und die Gläubigen gewandt.
| „Für seine Freunde war er ein lebendiges Abbild eines treuen und konsequenten Christen. Für seine Peiniger war er ein Zeuge Christi.“ Aus Erinnerungen an die Haft des seligen Priestermärtyrers Petro Werhun in Sibirien |
Zwei Jubiläen eines Glaubenszeugen
Anlass für die Ausrufung des Gedenkjahres sind zwei Jahrestage, die in das Jahr 2027 fallen: der 100. Jahrestag des Beginns der Seelsorgemission von Pfarrer Petro Werhun in Deutschland im Herbst 1927 und der 70. Todestag des Bekenners in der sibirischen Verbannung am 7. Februar 1957. Der selige Priestermärtyrer Petro war in der Zwischenkriegszeit Apostolischer Visitator für die Ukrainer des byzantinischen Ritus in Deutschland und wurde zum Märtyrer der sowjetischen Straflager. Symbolisch beginnt das Gedenkjahr am 30. Oktober – dem Tag, an dem Petro Werhun 1927 in Lemberg (Lwiw) von Metropolit Andrej Scheptyzkyj zum Priester geweiht wurde.
Bischof Bohdan unterzeichnete seinen Hirtenbrief am 26. Oktober 2026 in München, am Gedenktag des heiligen Großmärtyrers Demetrios des Myronspenders. Die Seelsorger sind gebeten, ihn in allen Liturgien am Sonntag, dem 1. November 2026, oder am darauffolgenden Sonntag zu verlesen sowie in den Pfarrbriefen, auf den Webseiten und in den sozialen Netzwerken aller Seelsorgestellen des Exarchats zu veröffentlichen.
Die Liebe Gottes – Grundlage von Berufung und Dienst
In seinem Hirtenbrief lädt Bischof Bohdan die Gläubigen ein, über die Tugenden nachzudenken, die den seligen Petro Werhun „zur Herrlichkeit im Himmel und zur Verherrlichung auf Erden“ geführt haben und die auch heute zu „Leitsternen“ auf dem Weg zur Heiligkeit werden können. Als erste nennt der Apostolische Exarch die Liebe Gottes, die Petro Werhun vor allem in den Geheimnissen von Weihnachten und Golgota betrachtete. Die Not des Ersten Weltkriegs, der Dienst in der Ukrainischen Galizischen Armee und die polnische Kriegsgefangenschaft führten ihn im Alter von dreißig Jahren zu der Entscheidung, sein Leben Gott zu weihen. 1920 begann er sein Theologiestudium in Prag, wo er auch zum Doktor der Philosophie promoviert wurde.
Der Dienst wurde zum roten Faden seines ganzen Lebens. Als ihn der NKWD-Ermittler beim Verhör nach seinem Lebenscredo fragte, antwortete Petro Werhun:
| „Der Dienst für Gott, für Seine Kirche und für mein Volk – das ist der Kern meines Lebens.“ |
„Namen der Liebe“: Gebet, Eifer, Gastfreundschaft, Ausdauer, Treue
Bischof Bohdan zeigt, dass die Liebe im Leben des seligen Priestermärtyrers verschiedene Namen trug. Sie war vor allem Gebet – für die Priester, für seine Landsleute, die er liebevoll „Rodymzi“ („die Unsrigen“) nannte, und für sein leidgeprüftes Volk; das Licht seines Gebetes erlosch selbst im sibirischen Permafrost nicht. Sie war seelsorglicher Eifer: Der Priester gründete Gemeinden, legte weite Wege zurück, um die Gläubigen zu besuchen, feierte die Liturgie und spendete die heiligen Sakramente.
Besonders hebt der Bischof die Sorge Petro Werhuns um die Geflüchteten hervor – um jene, die wie heute vor den Schrecken des Krieges Zuflucht suchten. An seine Gemeindemitglieder richtete er einen Aufruf, der heute außerordentlich aktuell klingt:
| „Zeigt diese Liebe in Wort und Tat unseren Landsleuten, den Geflüchteten und den aus ihrer Heimat Evakuierten. Nehmt sie auf, wie bescheiden euer Zuhause auch sein mag. Lasst sie nicht mit leeren Händen von euch gehen. Euer Haus und euer Herz sollen für sie zu einer freundlichen Krippe, zu einem gastfreundlichen Betlehem werden. Denkt daran: Liebe ohne Werke ist tot.“ |
Unter dem nationalsozialistischen Regime zeigte sich seine Liebe in der Ausdauer: Die Gestapo überwachte ihn, kontrollierte seine Predigten, schränkte seinen Zugang zu den Gläubigen und Priestern ein und erließ schließlich einen Ausweisungsbefehl aus Deutschland, der nur dank des Eingreifens des Apostolischen Nuntius Erzbischof Cesare Orsenigo aufgehoben wurde.
Am deutlichsten aber zeigte sich seine Liebe in der Treue. Als im Frühjahr 1945 die Rote Armee auf Berlin vorrückte und viele den Apostolischen Visitator drängten, sich in den Westen Deutschlands zu retten, antwortete er ruhig, aber bestimmt:
| „Solange auch nur ein einziger Ukrainer hier bleibt, bleibe auch ich.“ |
Obwohl er von der Verhaftung der gesamten Hierarchie der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche mit Metropolit Josyf an der Spitze wusste und sich der tödlichen Gefahr bewusst war, ging Petro Werhun den Weg der opferbereiten Liebe bis zum Ende – nach dem Vorbild des Guten Hirten: „Als Seelsorger muss ich bereit sein, für meine Schafe sogar mein Leben hinzugeben!“
Zeichen der Hoffnung, Fürsprecher für den Frieden, Lehrer des Vertrauens
Im abschließenden Teil des Hirtenbriefes beantwortet Bischof Bohdan die Frage, wer der selige Priestermärtyrer Petro Werhun für die Christen des 21. Jahrhunderts ist.
Er ist ein Zeichen der Hoffnung. Den Gläubigen, die in Deutschland Zuflucht gefunden hatten, eröffnete dieser Seelsorger die Perspektive einer Rückkehr in die Heimat und ermutigte sie, Wissen und Erfahrung zu sammeln, „um all das zum Nutzen der Kirche und ihres Vaterlandes zurückzugeben“. Und in der Haft schenkte er, wie ein Mithäftling bezeugte, jedem ein Lächeln, „das Freude und Frieden ausstrahlte“.
Er ist ein Fürsprecher für den Frieden, der unablässig auf Christus, den Fürsten des Friedens, schaute und die Gläubigen aufrief, Ihn um Frieden „für die vom blutigen Kampf gequälte Menschheit“ anzuflehen.
Er ist ein Lehrer des Vertrauens auf den Herrn inmitten der Erschütterungen und Krisen der heutigen Welt. Für ihn war Gott die einzige „Hoffnung und Kraft in dieser wandelbaren Welt“, und sein Vertrauen auf Ihn schöpfte er aus der Erfahrung eines ganzen Volkes:
| „Auf Gott vertrauten unsere Väter und Großväter, und sie wurden nicht enttäuscht. Darum lasst auch uns auf Ihn vertrauen und mit Ihm leben, denn der Herr ist Seinen Verheißungen treu und wird euch, Seine Kinder, niemals verlassen!“ |
Aufruf zur Nachfolge und zum Gebet für die Ukraine
Unter Verweis auf die Worte des heiligen Johannes Paul II. bei der Seligsprechung der Neumärtyrer der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche am 27. Juni 2001 in Lemberg betont Bischof Bohdan: Das Zeugnis der Seligen soll für die Gläubigen nicht nur Anlass zum Lob sein, sondern eine Einladung zur Nachfolge. Der Herr schenkt uns die Heiligen „wie Sterne am Himmel, damit wir unseren Lebensweg nach ihnen ausrichten“.
Der Hirtenbrief schließt mit dem Aufruf, das Gedenkjahr im Gebet zu beginnen und auf die Fürsprache des seligen Priestermärtyrers Petro Werhun Frieden für die „geliebte Heimat Ukraine“ sowie für das ganze ukrainische Volk die Gnade und den Segen des allmächtigen Gottes zu erbitten.
Hintergrund:
Der selige Priestermärtyrer Petro Werhun wurde am 18. November 1890 in Horodok bei Lemberg geboren. Er nahm am Ersten Weltkrieg teil, kämpfte später in der Ukrainischen Galizischen Armee und geriet 1920 in polnische Kriegsgefangenschaft, aus der er nach Deutschland floh. Er studierte an der Karls-Universität in Prag; am 15. Oktober 1926 wurde er an der Ukrainischen Freien Universität in Prag zum Doktor der Philosophie promoviert.
Am 30. Oktober 1927 empfing er in Lemberg aus den Händen von Metropolit Andrej Scheptyzkyj die Priesterweihe; bereits im November desselben Jahres sandte ihn der Metropolit nach Berlin zur Seelsorge unter den Ukrainern in Deutschland. 1937 wurde er zum päpstlichen Prälaten ernannt. Am 23. November 1940 errichtete Papst Pius XII. die Apostolische Administratur für die katholischen Ukrainer in Deutschland und ernannte Petro Werhun zum Apostolischen Visitator mit den Rechten eines Administrators.
Am 22. Juni 1945 wurde Petro Werhun in Berlin von sowjetischen Militärs verhaftet. Ein Militärtribunal verurteilte ihn wegen erfundener Vorwürfe der „Kollaboration“ zu acht Jahren Zwangsarbeit. Er verbüßte die Strafe im Lager Taischet nahe dem Baikalsee und wurde anschließend nach Ostsibirien verbannt. Erst 1955 – zwei Jahre nach Ablauf seiner Haftzeit – kam er frei, jedoch ohne das Recht, die Siedlung Angarsk zu verlassen. Dort starb er am 7. Februar 1957.
Am 27. Juni 2001 sprach der heilige Johannes Paul II. in Lemberg Petro Werhun gemeinsam mit weiteren Neumärtyrern der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche selig. Ein Jahr später wurde sein Grab in Angarsk gefunden und seine Reliquien erhoben. Reliquien des Seligen werden unter anderem in der Kathedrale Mariä Entschlafung in Stryj, im Erzbistum Berlin, in der Benediktinerabtei Niederaltaich sowie in der Kathedrale Mariä Schutz in München aufbewahrt. Liturgischer Gedenktag ist der 7. Februar.