Bischof Bohdan: „Unser Leben muss die Menschen die Gegenwart Gottes spüren lassen“
8. September 2026
Am 7. September, dem Vorabend des Geburtsfestes der Allheiligsten Gottesmutter, feierte Bischof Bohdan Dzyurakh die Göttliche Liturgie mit der ukrainischen Gemeinde in Bielefeld. Die Pfarrei, die unter dem Schutz der Mutter von der Immerwährenden Hilfe steht, zählt zu den ältesten ukrainischen Gemeinden auf deutschem Boden. In seiner Predigt rief der Bischof die Gläubigen zu einem lebendigen und nicht bloß rituellen Glauben auf.

Kirchenjahr unter dem Schutz der Gottesmutter
Der Bischof erinnerte daran, dass das liturgische Jahr am 8. September mit dem Fest der Geburt der Allheiligsten Gottesmutter beginnt und am 15. August mit dem Fest ihrer Entschlafung endet. Somit stehe das gesamte Kirchenjahr unter ihrem Schutz, da sie das Vorbild vollkommener christlicher Nachfolge darstellt.
Warnung vor formeller Religiosität
In seinem Kommentar zum Evangelienabschnitt über die Vorwürfe der Pharisäer bezüglich ritueller Reinheitsvorschriften wies Bischof Bohdan Dzyurakh auf die Gefahr einer rein äußerlichen, rituellen Religiosität ohne innere Wandlung hin. Er stellte fest, dass die Kirchen an Ostern von Hunderten Gläubigen besucht würden, während an den gewöhnlichen Sonntagen deutlich weniger Menschen am Gottesdienst teilnähmen. Äußere Frömmigkeit allein bezeuge jedoch nicht die Tiefe des Glaubens.
„Wenn wir nahe bei Jesus sind, er uns aber nicht verwandelt, dann stimmt etwas mit unserer Lebensweise nicht“, betonte der Bischof. Die Gegenwart Gottes in der Welt lasse sich nicht durch rein äußerliche Dinge sichern; als Beispiel führte er prächtige, jedoch leere Kirchen im Aggressorstaat an.
Begegnung mit Christus in den Sakramenten und im Alltag
Der Bischof hob hervor, dass die Begegnung mit dem lebendigen Christus vor allem in den Sakramenten der Kirche, insbesondere in der Beichte und der Eucharistie, stattfinde. Von dort aus seien die Gläubigen gerufen, seine Gegenwart in den Alltag und in die zwischenmenschlichen Beziehungen zu tragen, „damit die Menschen durch die Begegnung mit uns die rettende, barmherzige und geduldige Gegenwart Jesu in der heutigen Welt erfahren.“
Zeugnis von der Wallfahrt nach Krylos
Der Bischof teilte zudem persönliche Eindrücke von einer Wallfahrt nach Krylos in der Ukraine, dem historischen Sitz der galizischen Metropoliten, wohin die Kiewer Metropoliten einst während der Moskauer Okkupation der Ukraine ihre Residenz verlegt hatten. Er schilderte, wie er dort die biblische Erzählung über die Begegnung von Maria und Elisabet zum Anlass für eine Predigt vor den Pilgern nahm, um darüber zu sprechen, wie menschliche Gesten, Umarmungen und Worte die göttliche Gegenwart vermitteln können.
Zum Abschluss rief der Bischof die Gläubigen dazu auf, um die Fürsprache der Allheiligsten Gottesmutter zu bitten, um in der modernen Welt als „Christophoren“ – also als Träger Christi – zu wirken.







