Europäisches Treffen zu Wirtschaft, sozialer Gerechtigkeit und Solidarität zwischen den Völkern in Rom
25. September 2026
Vom 22. bis 24. September fand in Rom eine von der Sektion für soziale Fragen der CCEE-Kommission für Sozialpastoral organisierte Tagung zu den aktuellen wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen Europas statt. Unter dem Titel „Wirtschaft, soziale Gerechtigkeit und Solidarität zwischen den Völkern“ kamen Vertreterinnen und Vertreter der Bischofskonferenzen Europas zusammen, um aktuelle sozialökonomische Zukunftsfragen im Lichte der katholischen Soziallehre zu erörtern. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Bischof Bohdan Dzyurakh, dem Vorsitzenden der CCEE-Kommission für Sozialpastoral, und Bischof János Székely, dem Leiter der Sektion für soziale Fragen.

Zu den Referierenden gehörten unter anderem Sr. Alessandra Smerilli (FMA), Präfektin des Dikasteriums zur Förderung der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen, Pfr. Marco Pagniello, Direktor von Caritas Italiana, sowie Prof. Paolo Garonna, Präsident der Stiftung „Centesimus Annus Pro Pontifice“.
Eröffnungsrede von Bischof Bohdan: Über allen Herausforderungen steht der Frieden
In seiner Eröffnungsrede skizzierte Bischof Bohdan Dzyurakh den Kontext, in dem Europa heute nach Antworten auf Fragen der Wirtschaft und der sozialen Gerechtigkeit sucht: wachsende Ungleichheit, die Zukunft der Arbeit, Migration, Energiesicherheit, der ökologische Wandel und eine tiefer werdende Fragmentierung des politischen und gesellschaftlichen Lebens. Über all diesen Herausforderungen stehe jedoch eine fundamentale Aufgabe: der Frieden.
Ein zentraler Teil seiner Ansprache galt dem Krieg, den die Ukraine seit zwölf Jahren erlebt. Bischof Bohdan betonte, dass dieser Krieg „in erster Linie ein menschliches Gesicht“ habe, und verwies auf die Getöteten, Verletzten und Verkrüppelten, zerrissene Familien, Millionen Vertriebene sowie ukrainische Kinder, denen in Umerziehungslagern in Russland die Kindheit geraubt werde. Er warnte davor, dass ein Krieg, der die Wirtschaft und Infrastruktur ganzer Gesellschaften zerstört, „weit über die Grenzen der Ukraine hinausgeht“ und solidarisches Handeln ganz Europas erfordert.
Die Wirtschaft als Werkzeug des Friedens und nicht als Mägdin des Krieges
Mit Blick auf das Leitthema der Tagung erinnerte Bischof Bohdan an die Worte von Robert Schuman aus der Deklaration von 1950, wonach der Weltfrieden nicht ohne schöpferische Anstrengungen gewahrt werden könne, die den ihn bedrohenden Gefahren entsprechen. Er warnte davor, dass der großangelegte Krieg Russlands gegen die Ukraine nicht nur das Völkerrecht infrage stellt, sondern auch das Wesen der Wirtschaft gefährdet, die Gefahr laufe, „sich in ein Werkzeug im Dienste der Kriegsmaschinerie zu verwandeln“, anstatt der Entwicklung des Menschen und der Gesellschaft zu dienen.
Zudem zitierte der Bischof Worte von Papst Leo XIV. bei einer Begegnung an der Römischen Universität La Sapienza: „Nennen wir Aufrüstung nicht ‚Verteidigung‘, wenn sie Spannungen und Gefahren verschärft, Investitionen in Bildung und Gesundheit aufzehrt und das Vertrauen in die Diplomatie untergräbt.“ Der Papst habe dazu aufgerufen, dass Forschung und Investitionen zu einem „radikalen ‚Ja‘ zum Leben“ werden müssen – zum Leben der Unschuldigen, der Jugend und aller Völker, die nach Frieden und Gerechtigkeit streben.
„Wir wollen dieses ‚Ja‘ sein“, erklärte Bischof Bohdan und unterstrich, dass die Kirche berufen sei, dieses prophetische Wort heute sowohl im wirtschaftlichen Bereich als auch in den Beziehungen zwischen den Völkern zu tragen.
Die Kirche als prophetische, nicht politische Stimme
Der Vorsitzende der CCEE-Kommission für Sozialpastoral betonte, dass die Kirche keine fertigen wirtschaftlichen Rezepte anbiete, sondern berufen sei, eine „prophetische Stimme“ zu sein. Sie habe die Aufgabe, die Würde des Menschen, das Gemeinwohl, Solidarität, Gerechtigkeit und die Verantwortung gegenüber künftigen Generationen wieder in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen Debatte zu rücken. Ziel der Tagung sei es nicht nur, Krisen zu analysieren, sondern Europa dabei zu helfen, „wieder einen Horizont der Hoffnung zu finden“.
Zum Abschluss betete Bischof Bohdan um einen gerechten und dauerhaften Frieden für die Ukraine sowie um den Mut für Europa, eine Zukunft zu bauen, „in der die Wirtschaft dem Menschen dient, die Gerechtigkeit die Schwächsten schützt und die Solidarität die Völker verbindet“.