„Heiligkeit bedeutet für Christus, dorthin zu gehen, wo Gottes Gegenwart am meisten gebraucht wird“ – Bischof Hryhorij Komar richtete ein geistliches Wort an die Bischöfe
10. Oktober 2026
Am 10. Oktober 2026 hörten die Bischöfe der UGKK in Westeuropa, die zu einer Arbeitssitzung in München zusammengekommen waren, während der Göttlichen Liturgie ein geistliches Wort von Bischof Hryhorij Komar. Der Prediger betrachtete die Evangelienszene von der Berufung des Zöllners Levi (Lk 5,27–32) im Licht des bischöflichen Dienstes und zeichnete drei Bilder Christi, die helfen, das Wesen der pastoralen Sendung zu erfassen.

Der Hierarch betonte, dass es bei dem Treffen der Bischöfe in München nicht nur um administrative und pastorale Fragen gehe. Ziel sei es auch, neue geistliche Impulse für den Dienst zu empfangen.
Christus, der sieht
Das erste Bild ist Jesus, der Levi, den Zöllner, ansieht. Für viele war er ein Sünder und ein Kollaborateur des Römischen Reiches, ein Mensch, der sich „selbst den Weg zum Heil versperrt hatte“. Christus sieht jedoch etwas anderes.
„Er schaut nicht nur auf seine Vergangenheit, sondern sieht seine Zukunft. In diesem Sünder sieht er seinen Freund, sieht er seinen Jünger, sieht er einen Menschen, der sein Leben ändern kann.“
Nach den Worten des Bischofs ermutigt dieses Bild auch die Hirten, die Menschen mit den Augen Christi zu sehen und sich jedes Mal zu fragen, wie Jesus diese Person ansieht. Der Herr gebe dem Menschen immer eine neue Chance und eröffne ihm neue Perspektiven.
Christus, der ruft
Das zweite Bild ist Jesus, der Levi ruft, worauf dieser aufsteht und ihm folgt. Der Prediger machte auf das griechische Wort „anastas“ aufmerksam, mit dem der Evangelist diese Bewegung beschreibt.
„Er ist nicht einfach von seinem Stuhl aufgestanden und dem Herrn gefolgt. Er ist auferstanden. Er hat sein früheres Leben verlassen, um Jesus nachzufolgen, um sein Jünger zu werden.“
Bischof Hryhorij unterstrich, dass die Hirten den Auftrag haben, andere zu Gott zu führen, dies jedoch nur möglich sei, wenn sie selbst niemals aufhören, Jünger Christi zu sein. Sie hätten die persönliche Erfahrung gemacht, wie man aufsteht, sich verändert und dem Herrn sein Leben anvertraut.
Christus, der mit den Sündern zu Tisch sitzt
Das dritte Bild ist Jesus am selben Tisch mit Zöllnern und Sündern. Der Prediger erinnerte an die Worte des Evangeliums über die Freude im Himmel über einen Sünder, der umkehrt, und erklärte, dass Christus die Erfahrung der Vergebung nicht zu einem Privatbesitz machen wolle. Er wolle sie mit anderen teilen.
Dieses Bild sei, so Bischof Hryhorij, nicht nur für die Pharisäer unverständlich, sondern auch für viele Menschen heute.
„Diejenigen, die Heiligkeit so verstehen, dass sie Absonderung von allem Unwürdigen, Unreinen und Sündhaften bedeute, werden dieses Bild nie verstehen. Denn für Christus bedeutet Heiligkeit gerade, in das Umfeld hineinzugehen, in dem Gottes Gegenwart am meisten gebraucht wird, wo sie das menschliche Herz und das menschliche Leben verwandeln kann.“
Zur Umkehr rufen – zuerst sich selbst
Der Hierarch betonte, dass Christus zu den Kranken gekommen sei, die der Heilung bedürfen, und in diesem Licht müssten Priester und Bischöfe ihre Sendung verstehen: Krankes zu heilen und zur Umkehr aufzurufen.
„Wenn wir zur Umkehr aufrufen, stellen wir uns nicht auf die andere Seite: Hier sind wir, die Guten und Heiligen, und dort ihr Sünder, die ihr euch ändern müsst. Diese Worte richten wir vor allem an uns selbst, weil wir verstehen, dass wir ebenso täglich der Bekehrung, der Vergebung Gottes und der Barmherzigkeit Gottes bedürfen.“
Der Prediger schloss mit dem Gedanken, dass die Hirten nur dann, wenn sie die heilende und verwandelnde Gnade selbst annehmen, diese mit anderen teilen können.







