Wallfahrt der ukrainischen Gläubigen zur seligen Edigna
4. Juli 2026
Im Apostolischen Exarchat für die Ukrainer des byzantinischen Ritus in Deutschland und Skandinavien fand die traditionelle jährliche Wallfahrt nach Puch (Bayern) statt, wo in der dortigen Kirche die Reliquien der seligen Edigna, einer Enkelin des Kyjiwer Großfürsten Jaroslaw des Weisen, aufbewahrt werden.

In der Kirche St. Sebastian wurden die Pilger von Pfr. Volodymyr Viitovitch, dem Administrator der Kathedrale Maria Schutz in München, empfangen. Er leitete die Göttliche Liturgie und segnete die Anwesenden am Ende des Gottesdienstes mit den Reliquien der seligen Edigna.
In seiner Predigt sprach Pfr. Andrii Vytivskyi über das Evangelium von der Heilung der blutflüssigen Frau und der Tochter des Synagogenvorstehers (Mt 9,18–26). Er betonte die Bedeutung des Glaubens in der Beziehung zu Gott und wies auf Christus als Quelle der Lebenskraft hin.
An der Wallfahrt nahmen Pilger aus Stuttgart, Bamberg, Augsburg, München, Regensburg, Würzburg und Bayreuth teil.
Hintergrund: Die selige Edigna ist eine Enkelin des Kyjiwer Großfürsten Jaroslaw des Weisen und eine gemeinsame Heilige der Ukraine, Frankreichs und Deutschlands bzw. Bayerns. Der Legende nach floh Edigna im Jahr 1074, um einer ungewollten Heirat zu entgehen, mit dem Ziel, nach Kyjiw zu gelangen. Auf ihrem Weg nach Osten ließ sie sich in dem bayerischen Dorf Puch nieder. Sie lebte 35 Jahre lang in einer hohlen Linde nahe der dortigen Kirche, widmete sich dem Gebet, wirkte als Heilerin und unterrichtete die Menschen im Lesen und Schreiben. Edigna verstarb im Jahr 1109 und wurde im Jahr 1600 seliggesprochen.
Nach ihrem Tod floss eine heilende Flüssigkeit aus der Linde, die jedoch versiegte, als versucht wurde, sie gewerblich zu nutzen. Die Reliquien der seligen Edigna ruhen in einem Glasschrein am linken Seitenaltar der Kirche St. Sebastian. Die erste schriftliche Erwähnung der seligen Edigna stammt aus dem Jahr 1347 in einem Dokument über den Tod von Kaiser Ludwig IV., der nahe Puch verstarb. Im Jahr 1624 verfasste der Jesuit Matthäus Rader nach der Untersuchung ihres Leichnams eine Biografie über ihr Leben. Die Betreuung der Wallfahrt lag historisch beim Kloster Fürstenfeldbruck.
Die alte, tausendjährige Linde an der Kirche auf dem Friedhof in Puch soll mit Edigna in Verbindung stehen. Bei einer Renovierung der Pfarrkirche in den 1970er Jahren wurden im Fundament des Altars Knochen gefunden, die als die der seligen Edigna identifiziert wurden. Alle zehn Jahre wird im Ort das Edigna-Festspiel aufgeführt.
In der Ikonografie wird die selige Edigna auf einem Ochsenkarren oder in einer Linde dargestellt. Sie gilt zudem als Patronin bei Erkrankungen des Viehs und schützt vor Diebstahl.











