„Der Feind wollte uns zerstreuen, doch der Herr versammelt uns“ – Bischof Bohdan an die Ukrainer in Cottbus

26. Oktober 2026

Am 24. Oktober 2026 besuchte der Apostolische Exarch für die Ukrainer des byzantinischen Ritus in Deutschland und Skandinavien, Bischof Bohdan Dzyurakh, die ukrainische griechisch-katholische Gemeinde in Cottbus (Brandenburg) und feierte mit den Gläubigen die Göttliche Liturgie. Mit ihm zelebrierten der Kanzler des Apostolischen Exarchats Pfarrer Andrij Khymtchuk, der Dekan des Ostdekanats Pfarrer Dr. Serhij Olijnitschuk sowie der Seelsorger der Gemeinde Pfarrer Bohdan Ilnytskyj.

„Der Feind wollte uns zerstreuen, doch der Herr versammelt uns“ – Bischof Bohdan an die Ukrainer in Cottbus

In seiner Predigt betrachtete Bischof Bohdan das Evangelium vom Hauptmann von Kafarnaum (Lk 7,1–10). Er sprach über die Liebe, die aufbaut, über den Glauben, den die Ukrainer aus ihrem Elternhaus mitgebracht haben, und über die Demut, mit der das ukrainische Volk heute vor Gott tritt und um Heilung und Befreiung bittet.

Der Herr sucht sein zerstreutes Volk auf

Zu Beginn seiner Predigt betonte der Bischof, dass schon das gemeinsame Gebet der Ukrainer fern der Heimat ein Zeichen der Gegenwart Gottes und eine Antwort auf die Pläne derer ist, die das ukrainische Volk vernichten wollen.

„Der Feind wollte uns zerstreuen, doch der Herr versammelt uns hier und stärkt uns heute. Er tröstet uns, er stärkt uns in der Hoffnung. Der Herr zieht durch Städte und Dörfer – und heute ist er in diese unsere Kirche gekommen, um uns sein Wort zu schenken, um uns durch dieses Wort den Weg zu zeigen, um durch dieses Wort die Kräfte unserer Seele zu heilen, damit wir sein Wirken in unserem Volk erfahren können.“

„Herr, Dein Volk verblutet“

Der Bischof verglich die zum Gebet versammelten Ukrainer mit den Boten des Hauptmanns aus dem Evangelium, die zu Christus kamen, um Heilung für den kranken Diener zu erbitten. So bringt auch die Gemeinde heute dem Herrn den tiefsten Schmerz ihres Herzens – die Ukraine.

„Wir kommen und bringen den Kummer unseres Herzens, unsere Mutter Ukraine. Und wir sagen: ‚Herr, Dein Volk leidet, Dein Volk ist einem ungerechten Angriff ausgesetzt. Dein Volk verblutet. Komm und rette es.‘ Und der Herr sagt, wie zu jenem Hauptmann: ‚Ich will kommen und es retten.‘“

Ein Glaube aus dem Elternhaus

Der Bischof hob hervor, dass der Herr auf das Herz jedes Einzelnen schaut und den Glauben sieht, der die Menschen in die Kirche geführt hat. Diesen Glauben, so Bischof Bohdan, haben die Ukrainer als kostbarstes Erbe ihrer Eltern in die Fremde mitgenommen. Er lud dazu ein, im Gebet der Angehörigen zu gedenken – derer, die in der Ukraine leben, und derer, die bereits in die Ewigkeit gegangen sind.

„Euer Glaube hat euch heute hierher geführt – der Glaube, den ihr aus eurem Elternhaus mitgebracht habt, von unseren Eltern, derer wir heute gedenken: Wenn sie leben, mögen sie in Sicherheit sein; wenn sie zum himmlischen Vater heimgegangen sind, mögen sie in der ewigen Seligkeit sein und für uns und unser Volk beten und Fürsprache einlegen.“

Liebe, die Kirchen baut – und goldene Kuppeln aus gestohlenem Geld

Die erste Eigenschaft des Hauptmanns, die seine Boten vor Jesus bezeugten, war seine Liebe zum Volk: „Er liebt unser Volk und hat uns die Synagoge gebaut.“ Bischof Bohdan stellte diese aufrichtige Liebe der zur Schau gestellten Frömmigkeit von Machthabern gegenüber, die Kirchen nicht aus Liebe, sondern um des Einflusses willen bauen.

„Wissen Sie, Machthaber bauen oft Kirchen. Goldene Kuppeln – aber nicht aus Liebe zum Volk, sondern um Einfluss auf die Kirche zu gewinnen. Staatliche Aggressoren haben viele goldgekrönte Kathedralen mit Geld gebaut, das dem Volk verbrecherisch gestohlen wurde. Aber lieben jene, die diese Kirchen gebaut haben, dieses Volk, wenn sie es auf den Weg der Zerstörung, der Aggression und der Hölle führen?“

Der Hauptmann hingegen, so der Prediger, habe seine Liebe an einem konkreten Beispiel gezeigt – indem er sich des Schicksals eines einzigen Knechtes annahm. Gerade eine solche Liebe sei, so der Bischof, der Maßstab wahren Glaubens.

„Wir können von ihm Liebe lernen – zum Volk und zum konkreten Menschen. Denn die Liebe zu Gott wird sich an unserem Verhältnis zum Nächsten messen lassen: zum Ehemann oder zur Ehefrau, zur Nachbarin, zu dem konkreten Menschen, dem wir durch Gebet, Fürsprache und konkrete Tat dienen können.“

„Ich bin nicht würdig“: Demut, die den Weg zur Heilung öffnet

Mit Blick auf den Glauben des Hauptmanns lenkte der Bischof die Aufmerksamkeit auf dessen Worte „Ich bin nicht würdig“ – eine Verbindung von unerschütterlichem Vertrauen in Christus und demütigem Eingeständnis der eigenen Sündhaftigkeit. Diese Haltung des Evangeliums übertrug er auf die heutige Lage des ukrainischen Volkes.

„Wenn wir heute auf unser Volk schauen – es ist würdig, denn die Verteidiger geben ihr Leben für ihr Volk, würdig handeln die Freiwilligen, unsere Menschen im Ausland, die ihren Brüdern helfen. Andererseits müssen wir vor Gott bekennen, dass auch wir sündigen, dass auch wir schwach sind und Fehler machen; neben den Verdiensten gibt es auch viele Krankheiten.“

Gebet um ein einziges Wort Gottes

Zum Abschluss seiner Predigt rief der Bischof die Anwesenden auf, ihre Herzen zum himmlischen Vater zu erheben und – wie der Hauptmann – nur um eines zu bitten: um Gottes Wort, das dem ukrainischen Volk Heilung und Freiheit schenkt und den in aller Welt zerstreuten Ukrainern die Heimkehr ermöglicht.

„Heute, bei diesem Gebet, erheben wir unsere Herzen zum himmlischen Vater und bitten ihn, er möge nur ein Wort sprechen – ein Wort der Rettung, der Hoffnung –, damit unser Volk geheilt und aus der Knechtschaft des grausamen Aggressors befreit werde, damit wir nach Hause zurückkehren und unser Volk gerettet vorfinden können. Herr, erhöre unsere Gebete auf die Fürbitte der Gottesmutter und all Deiner Heiligen. Amen!“

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