Bischof Bohdan: „Wir sind berufen, Gott die Frucht der Liebe zu bringen“

23. August 2026

Am Vorabend des 35. Jahrestags der Wiederherstellung der ukrainischen Staatlichkeit feierte Bischof Bohdan Dzyurakh die Göttliche Liturgie in der Kathedrale Maria Schutz und St. Andreas in München. In seiner Predigt zum 13. Sonntag nach Pfingsten rief er die Gläubigen zum Gebet für den Frieden in der Ukraine und zur geistlichen Erneuerung auf. Nachfolgend fassen wir die zentralen Gedanken seiner Predigt zusammen.

Bischof Bohdan: „Wir sind berufen, Gott die Frucht der Liebe zu bringen“

Intensives Gebet für die Ukraine und den Frieden

Der Bischof richtete sein Wort an die Priester, Ordensschwestern, Jugendlichen und die gesamte Gemeinde mit dem Wunsch nach geistlicher Stärkung nach der Sommerpause. Er betonte, dass sich die Kirche am Vorabend des Unabhängigkeitstags der Ukraine (gefeiert am 24. August) durch das Wort Gottes stärken wolle. „Heute gilt unser besonders intensives Gebet der Ukraine und dem Frieden, am Vorabend des 35. Jahrestags der Wiederherstellung der ukrainischen Staatlichkeit“, erklärte Bischof Bohdan Dzyurakh. Er fügte hinzu, dass die ukrainische Staatlichkeit „nicht auf menschlichen Projekten, nicht auf menschlicher Kraft, sondern auf der Kraft der göttlichen Wahrheit und der göttlichen Liebe“ aufgebaut werden müsse.

Das Gleichnis von den Weingärtnern als Spiegel der Gegenwart

Ausgehend vom evangelischen Gleichnis über die bösen Winzer (Mt 21,33–42) zog der Bischof eine Parallele zwischen der biblischen Erzählung und den gegenwärtigen Herausforderungen der Menschheit. Er wies darauf hin, dass sich die Versuchung, „eine absolute Unabhängigkeit und Autonomie von Gott anzustreben“, in verschiedenen Formen zeige – vom historischen gottesfeindlichen Aufbegehren auf dem Gebiet des ehemaligen Russischen Reiches bis hin zu aktuellen moralischen Krisen. „Wo der Mensch oder der Staat die Gesetze Gottes missachtet, setzt er unweigerlich eine Spirale der Gewalt, des Hasses und des Todes in Gang“, warnte der Prediger.

Der Apostolische Exarch wies auf dringliche gesellschaftliche Probleme der Gegenwart hin, darunter die Konzentration des Wohlstands bei einer kleinen Gruppe von Menschen angesichts der Armut von Millionen, das Schicksal von Migranten im Mittelmeer sowie den Hunger in Teilen Afrikas. „Was der Menschheit heute fehlt, sind Solidarität und barmherzige Liebe“, unterstrich er. Die Ursache für gesellschaftliche Ungerechtigkeit sei nicht ein Mangel an Ressourcen, sondern ein Mangel an Glauben und Barmherzigkeit bei den Verantwortlichen.

Die Rolle der Kirche als prophetische Stimme

Besondere Aufmerksamkeit widmete der Bischof der Sendung der Kirche als einer Stimme, die die Welt zur Umkehr ruft. Er ging dabei auf Kritik an der Beteiligung der Kirche am gesellschaftlichen und politischen Leben ein: „Die Kirche ist die Stimme Gottes, die zur Umkehr und zur Reue ruft. Denn andernfalls droht unweigerlich der Untergang.“ Bischof Bohdan Dzyurakh hob hervor, dass wahre Politik dem Gemeinwohl der gesamten Gesellschaft dienen müsse und nicht parteipolitischen oder egoistischen Interessen.


Die Kirche als Weinberg und die Berufung jedes Gläubigen

Im zweiten Teil der Predigt erläuterte Bischof Bohdan Dzyurakh das Bild der Kirche als eines lebendigen Weinbergs, den Gott inmitten der Menschheit angepflanzt hat und in dessen Zentrum Christus selbst steht. „Wir sind dieser Weinberg“, erklärte er und erinnerte die Gläubigen an die Worte des bischöflichen Segens in die vier Himmelsrichtungen während der Liturgie. Der Bischof betonte, dass jeder Christ aufgerufen sei, kein passiver Konsument geistlicher Güter zu sein, sondern ein Mitarbeiter: „Wir sind nicht bloß Konsumenten der geistlichen Güter, die Gott uns geschenkt hat. Wir sind Arbeiter, wir gestalten diesen Weinberg.“

Die Frucht dieser Arbeit müsse die tätige Nächstenliebe sein. Er erinnerte an die Worte Christi: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“, und rief die Gläubigen dazu auf, neben dem Gebet auch konkrete Hilfe für Bedürftige zu leisten.

Die Ukraine als Volk, das berufen ist, Frucht zu bringen

Zudem wies der Prediger auf die trotz des Krieges ertragreiche Getreideernte in der Ukraine hin. „Gott schenkt dies und macht diesen Weinberg fruchtbar. Und die Ukraine ist bereit, dieses Getreide mit den hungernden Kindern Gottes in Afrika zu teilen. Doch der Aggressor lässt dies nicht zu“, erklärte der Bischof. Er äußerte die Überzeugung, dass die Ukraine gegenwärtig das Volk sei, dem Gott seinen Weinberg anvertraue: „Ich bin überzeugt, dass das Volk, dem Gott heute seinen Weinberg zum Heil der Menschheit anvertraut, unsere leidtragende, aber Gott treue Ukraine ist.“

Aufruf zur geistlichen Nüchternheit

Zum Abschluss der Predigt warnte Bischof Bohdan Dzyurakh die in Westeuropa im Wohlstand lebenden Gläubigen vor geistlicher Selbstzufriedenheit. Unter Verweis auf die Worte des Apostels Paulus (Eph 5,18) rief er auf: „Berauschen wir uns nicht an diesem Wohlstand, sondern lassen wir uns erfüllen von der Kraft und der Gnade des Heiligen Geistes“, damit die Früchte des christlichen Lebens vor allem Liebe, Freude und Frieden seien.

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