„Wir haben kein Recht, ihre Liebe zu vergessen“: Gedenken an die Verteidiger der Ukraine in München
31. August 2026
Am 29. August, dem Tag des Gedenkens an die Verteidiger der Ukraine, leitete Bischof Bohdan Dzyurakh die Göttliche Liturgie und das Totengedenken in der Kathedrale Maria Schutz und Hl. Apostel Andreas in München. Im gemeinsamen Gebet gedachten die Gläubigen der ukrainischen Soldaten, die ihr Leben für die Freiheit und Zukunft der Ukraine gegeben haben, und beteten für die Verwundeten, Gefangenen sowie für die als vermisst geltenden Verteidiger.

In seiner Predigt zog der Bischof eine Parallele zwischen dem Zeugnis und dem Tod des Heiligen Johannes des Täufers, dessen Gedächtnis die Kirche an diesem Tag begeht, und dem Einsatz der ukrainischen Verteidiger.
Der Heilige Johannes der Täufer sei, sagte Bischof Bohdan Dzyurakh, ein Mensch gewesen, der auch im Angesicht des Todes für die Wahrheit eingetreten sei. Als Vorläufer Christi habe er auf den Erlöser hingewiesen: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt“.
Mit Blick auf den Tod des Heiligen betonte der Bischof, dass Gewalt nicht in der Lage sei, die Wahrheit zu vernichten: „Man kann den Vorläufer töten, aber die Wahrheit Gottes kann man weder gefangen nehmen noch töten.“ Dieser Gedanke sei, sagte der Bischof, besonders bedeutsam für das ukrainische Volk, das sich im Krieg befindet und täglich einen hohen Preis für die Freiheit zahlt.
Im Hinblick auf das Gedenken an die gefallenen Verteidiger betonte der Bischof, dass christliches Gedenken nicht nur eine Erinnerung an die Vergangenheit sei, sondern Gebet, Verantwortung und eine konkrete Veränderung des Lebens umfasse. „Das Andenken an die Gerechten gebührt auch unseren Verteidigern. Niemand ist ohne Sünde, außer Gott. Wir gedenken ihrer heute und beten, dass der Herr ihnen ihre Verfehlungen vergibt“.
Gleichzeitig wies der Prediger darauf hin, dass der Einsatz der ukrainischen Soldaten ein Ausdruck der größten Liebe sei, von der Christus selbst spricht: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt“.
„Unsere Verteidiger waren zu genau dieser Liebe fähig, die sich in ihrer Selbsthingabe für uns gezeigt hat. Wir haben kein Recht, ihre Liebe zu vergessen“, unterstrich der Exarch.
Besondere Aufmerksamkeit widmete Bischof Bohdan Dzyurakh der Frage, wie ein lebendiges Andenken an die Gefallenen aussehen sollte. Dieses dürfe sich nicht auf Gedenkveranstaltungen oder Dankesworte beschränken, sondern müsse in der täglichen Arbeit an sich selbst und an der Zukunft der Ukraine fortgeführt werden. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Erinnerung an die Verteidiger lebendig bleibt. Dies ist durch das Gebet und durch Veränderung möglich, denn sie sind für eine bessere Ukraine gestorben, die im Licht des Gesetzes Gottes, der Rechtschaffenheit, der Gerechtigkeit, der Freiheit und des Guten wiedergeboren wird“, erklärte der Bischof.
Aus diesem Grund stellte der Bischof den Anwesenden eine Frage, die jeden Ukrainer betrifft: „Was sind wir heute bereit zu tun, um eine solche Ukraine aufzubauen? Fragen wir uns das heute.“
Bischof Bohdan rief zudem dazu auf, für die vermissten Soldaten zu beten, deren Schicksal eine tiefe Wunde für ihre Familien bleibt: „Wir beten auch für die Vermissten, die eine offene Wunde für ihre Familien sind, dass der Herr sie behüte“, sagte der Bischof.
Zum Abschluss der Predigt betonte Bischof Bohdan, dass das christliche Gedenken an die Verteidiger untrennbar mit dem Glauben an die Auferstehung verbunden sei: „Unsere Erinnerung wird lebendig sein, wenn wir beten, leben und Gottes Gesetze in unserem Alltag festigen. Dann wird der Ruf ‚Die Helden sterben nicht‘ ein Ausdruck unseres Glaubens an die Auferstehung sein“, erklärte der Prediger.
Nach der Göttlichen Liturgie wurde ein Totengedenken für alle gefallenen Verteidiger der Ukraine gefeiert. Im Gebet bat die Gemeinde den Herrn, ihre Seelen aufzunehmen, ihnen ihre Verfehlungen zu vergeben, ihnen den ewigen Frieden zu schenken und den Lebenden die Kraft zu geben, der Wahrheit, der Freiheit und der Verantwortung für die Zukunft der Ukraine treu zu bleiben.