„Der Herr ruft uns“ – Bischof Bohdan an die Priester
2. November 2026
Vom 2. bis 6. November 2026 kommen die Priester und Diakone des Apostolischen Exarchats für die Ukrainer des byzantinischen Ritus in Deutschland und Skandinavien zu einem Fortbildungskurs zusammen. Das diesjährige Thema lautet „Christus in unserer Mitte“: ein Dokument Seiner Seligkeit Swjatoslaw, Oberhaupt der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche, mit theologischen und praktischen Weisungen zur Feier der Gottesdienste. Eröffnet wurde der Kurs mit einem Grußwort des Apostolischen Exarchen Bischof Bohdan Dzyurakh.

Eine Berufung, die täglich erklingt
In seiner Ansprache an die Priester und Diakone bezeichnete Bischof Bohdan diese Tage als Gelegenheit, sich geistlich zu erneuern und „die Fundamente“ des priesterlichen Dienstes und Lebens „noch tiefer auszugraben“. So solle das Gebäude priesterlicher Heiligkeit auf dem Wort Gottes errichtet werden: auf dem Wort, das die Welt erschaffen, den Menschen ins Dasein und jeden der Anwesenden zum heiligen Dienst gerufen hat.
„Der Herr ruft uns weiterhin jeden Tag. Wir müssen lernen, täglich Gottes Ruf zu hören, der uns mit einem Wort der Liebe, mit einem Wort des Vertrauens ruft und uns zur Einheit mit Jesus ruft.“
Bischof Bohdan Dzyurakh
„Ein zweiter Christus“ – um zu dienen
Der Bischof erinnerte daran, dass die traditionelle Theologie den Priester als alter Christus, als „zweiten Christus“, bezeichnete, und dass die Menschen ihre Hirten tatsächlich so wahrnehmen. Er betonte jedoch, dies sei kein Anlass zur Selbsterhöhung, sondern ein Ruf zur Demut. Beim Letzten Abendmahl wusch Jesus seinen Jüngern die Füße und sagte, auch sie sollten einander die Füße waschen.
„Das gibt uns keinen Grund, uns über die Menschen zu erheben oder auf sie herabzublicken. Im Gegenteil, unsere Berufung ist es, uns vor den Menschen zu verneigen und ihnen zu dienen, so wie es unser Herr getan hat. Jede andere Haltung wäre nicht christlich.“
„Fahr hinaus, wo es tief ist!“
Der Apostolische Exarch rief die Priester auf, die Stimme des göttlichen Lehrers zu hören, der sie ruft, „hinauszufahren, wo es tief ist“. Oberflächlichkeit und ein seichtes geistliches Leben bringen weder den Hirten selbst Freude noch der Kirche Nutzen. Wenn das Wort der göttlichen Berufung das Fundament priesterlicher Heiligkeit ist, dann ist nach den Worten des Bischofs die eifrige Erfüllung der Pflichten ihre Mauern. Genau das lehrt das Zweite Vatikanische Konzil im Dekret über Dienst und Leben der Priester: Der Priester erlangt die ihm eigene Heiligkeit durch die eifrige Ausübung seines Dienstes. Der Dienst ist somit zugleich der Ort der Heiligung.
Fünf Jahre gemeinsam – mit dem Volk dort, wo es ist
Bischof Bohdan erinnerte daran, dass sich die Priester des Exarchats vor fünf Jahren genau hier zum ersten Mal persönlich bei einem Fortbildungskurs begegnet waren. Seitdem habe sich vieles verändert: Die Zahl der Geistlichen ist gewachsen, die Priester haben Erfahrung in der Seelsorge in Kriegszeiten gesammelt und gemeinsam „viel durchbetet und vielleicht auch durchweint“. Heute stehen sie vor dem Angesicht des Herrn als eine Kirche, die lebt, wächst und bereit ist, ihrem Volk weiterhin zu dienen.
„Es ist nicht unsere Aufgabe, den Menschen in der Ukraine zu sagen: ‚Reist aus‘, oder den Menschen in der Diaspora zu sagen: ‚Kehrt zurück‘. Wir sind bei unserem Volk dort, wo es ist, und teilen mit ihm seinen Schmerz und sein Leid, aber auch seine Hoffnungen und Erwartungen.“
Der Bischof wünschte den Teilnehmern, sich nicht nur geistlich zu erneuern, sondern auch die brüderlichen Bande zu stärken. Den Priestern fehle es, wie er bemerkte, an Austausch und am einfachen Beisammensein. Er rief dazu auf, in jedes Gebet die Sorgen, Ängste und Hoffnungen des ukrainischen Volkes hineinzutragen, vor allem die Hoffnung auf einen gerechten und dauerhaften Frieden.
Im Jahr des seligen Priestermärtyrers Petro Werhun
In seiner Ansprache an die Geistlichen betonte Bischof Bohdan außerdem, dass es im Jahr des seligen Priestermärtyrers Petro Werhun vor allem darauf ankomme, zwei Dinge selbst zu lernen und die Menschen zu lehren: zu den seligen Lehrern des Glaubens zu beten und ihnen nachzufolgen. Die Heiligen sind uns nach den Worten des Bischofs als Fürsprecher im Himmel gegeben. Mit ihrer Hilfe können wir das Meer des irdischen Lebens durchqueren und den Hafen des ewigen Heils erreichen. Als solche Fürsprecher nannte der Bischof die selige Edigna, die in unserer Kirche und unserem Volk immer bekannter wird, und den seligen Petro Werhun. Er rief dazu auf, eine persönliche Verehrung des seligen Priestermärtyrers zu pflegen, und äußerte die Überzeugung, dass der selige Petro Werhun vom Himmel aus bereit ist, jedem zu helfen.
Der selige Petro Werhun, so der Apostolische Exarch, lebte unter sehr schweren und traumatischen Umständen, verlor jedoch nicht den Mut und blieb bis zuletzt bei seinem Volk. Als ihn die Ermittler des NKWD bei den Verhören nach seinem Lebenscredo fragten, antwortete er: „Gott, Seiner Kirche und dem eigenen Volk zu dienen, das ist der Inhalt meines Lebens.“
Im Anschluss an seine Ansprache segnete der Bischof alle Anwesenden mit den Reliquien des seligen Priestermärtyrers Petro Werhun und der seligen Edigna.










