„Gott sendet den Heiligen Geist, um uns zu wärmen, zu stärken und zu erneuern“: Bischof Bohdan an Pfingsten
27. Mai 2026
Am 24. Mai, dem Fest der Herabkunft des Heiligen Geistes, stand Bischof Bohdan Dzyurakh, Apostolischer Exarch für die Ukrainer des byzantinischen Ritus in Deutschland und Skandinavien, der feierlichen Göttlichen Liturgie in der Kathedrale Maria Schutz und Hl. Apostel Andreas in München vor. Nachfolgend werden die zentralen Gedanken der Predigt des Bischofs zu diesem Fest zusammengefasst.

Der Heilige Geist über Ukraine
Der Bischof begann seine Predigt mit einem Blick auf die Ukraine, die in der Nacht erneut unmenschlichen Bombardierungen ausgesetzt war. Er wandte sich dem Bild des Karfreitags zu, als Jesus am Kreuz sterbend sein Haupt neigte und „den Geist aufgab“ – und zog eine Parallele zur Gegenwart: „Heute neigt der Herr sein Haupt über unserem Land und gibt seinen Geist, damit der Geist unseres Volkes nicht schwächer wird. Damit wir angesichts der Leiden, die der Teufel und seine Diener unaufhörlich auf Körper und Seele unseres Volkes werfen, nicht verzweifeln.“
Dabei ließ der Prediger keinen Raum für Verzweiflung: „Niemand wird unser Volk aus den Händen Christi reißen. Die höllischen Mächte werden unweigerlich zurückweichen und zuschanden werden. Der Heilige Geist wird dieses Chaos des Krieges besiegen, das durch menschliche Sünde und menschliche Bosheit gesät wurde. Denn Gottes Geist ist stärker.“
Pfingsten – der Abschluss von Ostern und die Geburt der Kirche
Bischof Bohdan machte darauf aufmerksam, dass Pfingsten der große Abschlusstag des gesamten Osterzyklus ist, der in den kirchlichen Gebeten die Passion, die Auferstehung, die Himmelfahrt und die Herabkunft des Heiligen Geistes untrennbar miteinander verbindet. „Wir bereiten uns sehr sorgfältig auf Ostern vor – wir fasten, beten, gehen in die Kirche. Und dann sind die Feiertage vorbei, und was dann?“, fragte der Bischof.
Er erinnerte daran, dass Christus auferstanden ist, um uns ein neues Leben im Heiligen Geist zu schenken: „Er hat den Staffelstab an den Heiligen Geist weitergegeben. Und am Pfingsttag wird die Kirche geboren und beginnt ihre Mission. Wir sind die Kirche. Wir müssen am Pfingsttag geboren werden und unsere Mission in der Welt beginnen.“
Unter Bezugnahme auf das Gespräch Jesu mit Nikodemus erklärte der Bischof: Die Geburt „aus Wasser und Geist“, von der Christus spricht, ist für jeden von uns in der Taufe und der Myronsalbung geschehen. „Von diesem Moment an sind wir Träger des Heiligen Geistes. Aber sehr oft ist dieser Geist Gottes in uns wie gebunden. Wir müssen jeden Tag sagen: ‚Heiliger Geist, komm zu mir. Ich möchte Dich empfangen‘“, betonte der Apostolische Exarch.
Drei Gaben des Heiligen Geistes
Den zentralen Teil der Predigt bildete die Erläuterung der drei Gaben, die der Heilige Geist in das Herz des Menschen bringt.
Die erste ist die Befreiung von der Todesangst. Bischof Bohdan erinnerte daran, dass die Apostel selbst nach der Auferstehung noch Angst hatten und bereit waren, zu ihrem früheren Leben zurückzukehren – wie Petrus, der nach der Begegnung mit dem Auferstandenen sagte: „Ich gehe fischen.“ „Wie viele Menschen kommen in die Kirche, freuen sich, und dann sind die Feiertage vorbei – und sie kehren zurück, als ob nichts geschehen wäre“, zog der Bischof eine Parallele. Der Heilige Geist durchbricht diesen Kreis: Ein Mensch, der von Ihm erfüllt ist, fürchtet den Tod nicht, weil er einen großen Schatz gefunden hat – das göttliche Leben.
Die zweite Gabe ist die Befreiung von der Angst vor sich selbst und den eigenen Sünden. „Die Apostel sahen, wie verräterisch und wankelmütig sie waren. Sie hatten Angst, Jesus zu begegnen. Der Heilige Geist aber erinnert uns: Wir sind Kinder Gottes“, sagte Bischof Bohdan. Er führte das berührende Bild der elterlichen Liebe an: „Hören ein Vater und eine Mutter auf, ihr Kind zu lieben, wenn es etwas Schlechtes tut? Umso weniger kann Gott seine Liebe zu uns verraten. Er schaut auf uns, nicht auf unsere Sünde. Die Sünde verdient Gottes Aufmerksamkeit nicht – wir aber schon.“
Die dritte Gabe ist der Mut zum Zeugnis. Der Bischof bezog sich auf die erste Predigt des Apostels Petrus nach der Herabkunft des Heiligen Geistes: „Petrus trat nicht als Ankläger auf, sondern als Zeuge der barmherzigen und treuen Liebe Christi, die alles vergibt und niemanden aufgibt. Seine Worte waren so überzeugend, weil er in der Kraft und Gnade des Heiligen Geistes sprach.“
Eine durch den Geist gereinigte Sprache
Besonders ging Bischof Bohdan auf das Thema des Wortes und der Kommunikation ein. „Worte der Anschuldigung, der Aggression, des Hasses – sie sind nicht vom Heiligen Geist inspiriert. Lasst uns zuerst zu Ihm beten, damit Er unser Herz von Vorwürfen, von Egoismus und von Kränkungen reinigt. Denn wenn wir aus einer Kränkung heraus sprechen, bauen wir keine Gemeinschaft auf, sondern wir zerstören sie.“ Ein vom Geist erfüllter Mensch hingegen spricht selbst unangenehme Worte so aus, dass sie nicht abstoßen, sondern zu Gott hinziehen.
Der Bischof erinnerte auch an den Aufruf während der Liturgie vor dem Gebet „Vater unser“: „Die Einheit im Glauben und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes“ – damit die Gläubigen, nachdem sie zuerst an der Gemeinschaft des Geistes teilgehabt haben, Gott mutig Vater nennen und Beziehungen zu ihren Mitmenschen als wahren Brüdern und Schwestern aufbauen können.
„Ein Feuer, das wärmt und nicht verbrennt“
Zum Abschluss der Predigt erschloss der Bischof das Bild des Pfingstfeuers – der Feuerzungen, die auf die Apostel herabkamen. „Gott sendet den Heiligen Geist in Form von Feuer nicht, um uns zu verbrennen – es ist jemand anderes, der unsere Städte und Dörfer in Asche legt, der Teufel und seine Diener. Gott sendet den Heiligen Geist in Form von Feuer, um uns zu wärmen, zu stärken und zu erneuern. Denn dort, wo Wärme und Licht sind, da ist Leben, göttliches Leben.“
Der Bischof rief die Gläubigen dazu auf, jeden Tag als Kinder Gottes neu geboren zu werden, aus dem offenen Herzen Jesu in Gebet, Beichte und Kommunion Gnade zu schöpfen – und zu freien Menschen zu werden, die weder den Tod noch die Verurteilung durch Menschen fürchten: „Denn Christus ist auferstanden. Er weilt unter uns, lebendig. Und Er hat uns den Heiligen Geist gegeben. Möge uns dieser Heilige Geist beleben, neu erschaffen und auf dem Weg der Wahrheit, der Liebe und des Lebens führen.“