„Hört nicht auf, nach der Wahrheit zu suchen!“ – Bischof Bohdan an die Jugend in Dresden
16. Juni 2026
Vom 13. bis 14. Juni fand in Dresden der Jugendtag des Apostolischen Exarchats unter dem Motto „Auf den Spuren der Seligen Edigna“ statt. Am Samstag, dem 14. Juni, führte Bischof Bohdan ein Gespräch mit den Jugendlichen. Dabei verlas er das Schreiben von Papst Johannes Paul II., das der Papst vor 25 Jahren während einer Pilgerreise in die Ukraine verfasste und an die ukrainische Jugend richtete. Bischof Bohdan beantwortete außerdem die Fragen der Anwesenden.

Der Jugendtag des Apostolischen Exarchats in Dresden versammelte ukrainische Jugendliche aus verschiedenen Städten Deutschlands und Skandinaviens. Die Begegnung mit dem Bischof bildete eines der zentralen Ereignisse der Veranstaltung und bot einen offenen Austausch, bei dem die Jugendlichen Fragen zu Glaube, Kirche, Berufung, Krieg und Zukunft stellen konnten.
Das Programm am 14. Juni reichte von gemeinsamen Gebeten bis hin zu Diskussionen. Der Tag begann mit der Göttlichen Liturgie, die von Bischof Bohdan geleitet wurde. Im Anschluss unternahmen die Teilnehmer eine Bergwanderung, nach der ein Impulsvortrag zum Thema Berufung stattfand.
Ein wesentlicher geistlicher Bestandteil der zweiten Tageshälfte war das Gebet zur Muttergottes von Fátima gemeinsam mit Bischof Bohdan. Die Jugendlichen legten der Gottesmutter ihre gemeinsamen Anliegen vor: für Berufungen, für Kinder und Jugendliche, für die Verteidiger der Ukraine sowie für die Bekehrung der Feinde. Im Anschluss fand der bereits erwähnte Dialog mit dem Bischof statt. Der Tag endete mit einem gemeinsamen Grillen und dem Singen ukrainischer Lieder. Nachfolgend fassen wir die zentralen Themen des Austauschs des Bischofs mit der Jugend zusammen.
Weitere Infos zum Treffen: Pressemitteilung des Katholischen Bistums Dresden-Meißen
Eine Botschaft nach einem Vierteljahrhundert
Der Bischof begann das Treffen mit der Verlesung der Botschaft von Papst Johannes Paul II. an die ukrainische Jugend, die der Pontifex während seines Besuchs in der Ukraine im Jahr 2001 formuliert hatte. Bischof Bohdan betonte die anhaltende Aktualität dieser Worte und wies darauf hin, dass die Zehn Gebote ein verlässlicher Kompass für die Orientierung in der modernen Welt angesichts sozialer Veränderungen und moralischer Krisen seien. Der Papst forderte die ukrainische Jugend damals dazu auf, „gegen den Strom zu schwimmen“, das Gesetz Gottes zu verteidigen und eine freie, demokratische Gesellschaft aufzubauen.
Johannes Paul II. erinnerte die jungen Menschen daran, dass jeder von uns ein „Wort der göttlichen Liebe“ sei, aus Liebe und für die Liebe geschaffen. Gott spreche zu uns durch die Heilige Schrift und durch die Natur, die ein „großes Buch der göttlichen Schönheit“ sei. Aus diesem Grund stelle die Suche nach der Wahrheit nicht nur eine intellektuelle Aufgabe, sondern eine Antwort auf die Berufung Gottes dar.
Dekalog, Gewissen und Verantwortung
Im Austausch mit der Jugend erläuterte Bischof Bohdan die zentralen Themen der Botschaft. Er betonte, dass das Leben nach dem Dekalog in der heutigen Gesellschaft ein „starkes, verantwortungsbewusstes und reifes Gewissen“ erfordere – die Fähigkeit, nicht nur zu wissen, was gut ist, sondern auch den Mut zu haben, sich dafür zu entscheiden. Der Bischof rief die Jugendlichen dazu auf, die Kirche als geistliche Familie zu schätzen und auf die Fürsprache der Allerheiligsten Gottesmutter zu vertrauen.
Die UGKK in der Welt und in der Diaspora
Im weiteren Verlauf informierte der Bischof die Jugend über die Struktur der Kirche und die Rolle des Exarchats als Form der kirchlichen Organisation auf dem Weg zu einer Diözese. Er erinnerte an den verstorbenen Großerzbischof Ljubomyr Husar, der während des sowjetischen Regimes im Untergrund zum Bischof geweiht worden war und zur Entwicklung der Kirche in der unabhängigen Ukraine beigetragen hatte. Unter Berufung auf seine Erinnerungen an das damalige Oberhaupt der UGKK erklärte Bischof Bohdan, dass dieser in einer freien, demokratischen Gesellschaft aufgewachsen sei und nach seiner Rückkehr in die Ukraine „Misstrauen“ als eine vom kommunistischen Regime geerbte Krankheit diagnostiziert habe. Seinen Dienst habe er deren Heilung durch die katholische Soziallehre gewidmet.
Liturgie und persönliches Gebet
Ein weiterer Themenblock befasste sich mit dem Gebet und der Teilnahme an der Liturgie. Bischof Bohdan verwies auf die Bedeutung des Kirchenraums: „Erinnere dich, vor wem du stehst“ – diese Worte sollen die innere Haltung der Menschen bestimmen, die eine Kirche betreten.
Der Bischof erklärte, dass die Liturgie nicht nur der Dienst des Menschen an Gott sei, sondern auch Gottes Dienst am Menschen: „Er speist uns mit Seinem Wort und Seiner Gegenwart.“ Daher solle dem Wort Gottes während des Gottesdienstes besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Er merkte an, dass die individuelle Gebetserfahrung auch von der Teilnahme aller Anwesenden – des Priesters, des Chors und der Gläubigen – abhänge.
Für das persönliche Gebet empfahl der Bischof eine Praxis, die er als „Sonnenbad vor dem Tabernakel“ bezeichnete: Es gehe darum, in Stille vor Gott zu sitzen, ohne zu sprechen, und dessen Präsenz wahrzunehmen. „Lernt, auf euer Herz zu hören und euch vom äußeren Lärm zu lösen“, fasste er zusammen.
Zeugnis statt Überzeugungsarbeit
Auf die Frage der Jugend, wie man den Glauben in die Welt tragen könne, erklärte Bischof Bohdan, dass es nicht notwendig sei, jemanden zu überzeugen oder den Glauben aufzuzwingen. Es reiche aus, durch das eigene Leben ein authentisches Zeugnis abzulegen. „Christen sind der Wohlgeruch Christi in der Welt – wie eine Rose, die duftet, einfach indem sie sie selbst ist“, sagte der Bischof. Ein gutes, ehrliches, verantwortungsbewusstes und fleißiges Leben stelle bereits ein starkes Zeugnis dar.
Der Apostolische Exarch teilte Erfahrungen aus seinem eigenen Leben, darunter die Geschichte einer Ordensschwester, die als Erzieherin entlassen wurde, nicht wegen einer Verfehlung, sondern weil, laut einem sowjetischen Agenten, „Gott in ihr ist und sich das überträgt“. Der Bischof schilderte zudem, wie das atheistische Sowjetregime den im Herzen der Menschen verwurzelten Glauben nicht habe auslöschen können. „Die Welt kämpft gegen die Gläubigen, weil sie die Wahrheit in ihnen erkennt, auch wenn sie selbst nicht den Mut hat, sich ihr anzuschließen“, stellte er fest.
Berufung, Gebet und die Suche nach der Wahrheit
Ein Schwerpunkt des Gesprächs lag auf dem Thema Berufung. Bischof Bohdan erklärte, dass die Berufung nichts sei, was der Mensch sucht und findet, sondern etwas, das den Menschen findet und im Herzen entsteht. Eine zentrale Rolle spielten dabei das persönliche Gebet sowie die Gebete der Eltern und Großeltern, aber auch die Stille, in der die Stimme Gottes wahrgenommen werden könne. Ebenso sei das Lesen der Heiligen Schrift ein Fundament für die innere Reifung.
Bei der Schilderung seines eigenen Weges zum Priestertum ging der Bischof auf die Bedeutung der Wahrheitssuche ein. Er berichtete von seiner Dienstzeit in der sowjetischen Armee, während der er einen georgischen Soldaten traf, der ein religiöses Buch ohne Einband las. „Hört nicht auf, nach der Wahrheit zu suchen!“, waren die Worte dieses Soldaten an Bischof Bohdan, die auch als Leitmotiv für das gesamte Treffen mit der Jugend dienten.
Gottes Wille, Arbeit und die Überwindung der Sünde
Die Jugendlichen erkundigten sich zudem danach, wie man den Willen Gottes erkenne und wie man mit begangenen Sünden umgehen solle. Der Bischof stellte klar, dass Vertrauen in Gott keine Passivität bedeute. Er zitierte den heiligen Ignatius von Loyola: „Vertraue auf Gott, als hinge alles von Ihm ab, und arbeite zugleich so, als hinge alles von dir ab.“ Durch diese Synergie aus göttlicher Gnade und menschlichem Bemühen würden Veränderungen bewirkt.
Bischof Bohdan betonte, dass gute Taten der Gnade Gottes zugeschrieben werden sollten. Zudem wies er darauf hin, dass Demut und Dankbarkeit für die Zusammenarbeit mit Gott unerlässlich seien.
Bezüglich Sünde und Vergebung ermutigte der Bischof die Anwesenden, bei Verfehlungen nicht den Mut zu verlieren: „Sündigen ist menschlich, sich zu bessern ist göttlich, in der Sünde zu verharren ist teuflisch“, erklärte er. Er beschrieb das Sakrament der Beichte als ein Geschenk und den Ort, an dem der Priester Zeuge der geistlichen Erneuerung wird. „Nach der Beichte sollte man sich freuen und den Sieg über die Sünde feiern, anstatt zu betrübenden Gedanken zurückzukehren“, unterstrich Bischof Bohdan.
Heilung der Beziehungen zu den Eltern
Ein weiteres Thema waren familiäre Konflikte. Der Bischof riet dazu, die Eltern als Menschen zu betrachten, ohne sie zu idealisieren oder zu dämonisieren. „Die Wunden, die uns von unseren engsten Angehörigen zugefügt werden, schmerzen am meisten, und Gottes Liebe ist es, die sie heilen kann“, sagte der Bischof. Er empfahl das Prinzip „Transformare il dolore in amore“ – Schmerz in Liebe zu verwandeln. Dies basiere nicht auf menschlicher Anstrengung, sondern sei das Wirken Gottes im Herzen derer, die Ihm vertrauen.
Der Bischof forderte dazu auf, weder Schuldige zu suchen noch den Eltern Vorwürfe zu machen, sondern stattdessen Schmerzen an Jesus abzugeben und Ihn um Vergebung und Heilung zu bitten. „Eine Narbe kann bleiben, wie die Wunden Jesu nach der Auferstehung, aber sie muss nicht bluten und dein Verhalten bestimmen. Dein Verhalten sollte von Christus und Seiner bedingungslosen Liebe bestimmt werden“, fügte er hinzu und ermutigte die Jugendlichen, das Lieben zu lernen.




















