„Möge die Königin des Friedens uns Frieden schenken“: Bischof Bohdan beim Katholikentag in Würzburg
16. Mai 2026
Am 15. Mai leitete Bischof Bohdan Dzyurakh im Rahmen des 104. Katholikentags in der Kirche St. Bruno in Würzburg das Akathistos-Gebet zur Allerheiligsten Gottesmutter. Das Gebet wurde von einer besonderen Ausstellung ukrainischer Kunstwerke umrahmt. In seinem Wort an die Gläubigen sprach der Bischof über die tiefe Bedeutung der Marienverehrung, das spirituelle Band zwischen Ost und West sowie das Leid und die kindliche Hoffnung des ukrainischen Volkes.

Wort zum Akathistos am 15. Mai 2026
Liebe Schwestern und Brüder in Christus!
Eines der charakteristischen Merkmale der byzantinischen und insbesondere unserer ukrainischen christlichen Tradition ist die Verehrung der Allerseligsten Gottesmutter.
Seit mehr als zehn Jahren, seit 2015, wird in unserer Kirche täglich das Rosenkranzgebet gebetet, das um 19.00 Uhr aus unseren Pfarreien in verschiedenen Teilen der Ukraine und der Welt übertragen wird. Oft erfolgt die Übertragung auch direkt aus den Schützengräben an der Frontlinie im Osten. Als wir einmal unsere Soldaten und Verteidiger fragten, was sie von der Kirche erwarten, war die Antwort sogar für uns etwas überraschend: „Schickt uns Rosenkränze – jeder Art und in jeder Menge.“
Das Rosenkranzgebet haben wir, die Christen des Ostens, als Geschenk aus der westlichen Tradition empfangen. Heute jedoch werden wir ein typisch östliches Mariengebet beten, das auch der katholische Westen angenommen und sehr liebgewonnen hat. Der Akathistos ist ein Gebet an die Gottesmutter, das die gesamte Heilsgeschichte, die Rolle der Gottesmutter darin sowie unseren Anteil und unsere Berufung in dieser Geschichte zum Ausdruck bringt.
Unser heutiges Gebet wird von Kunstwerken verschiedener ukrainischer und ausländischer Künstler begleitet. Vor uns steht eine Ikone des Schutzmantels Mariens, die von einer Künstlerin geschaffen wurde, die derzeit im deutschen Rostock lebt, ursprünglich aber aus Mariupol im Süden der Ukraine stammt – jener Stadt Mariens, die zu Beginn der groß angelegten Invasion gnadenlos bombardiert wurde und in der Zehntausende Einwohner, darunter zahlreiche Kinder, ihr Leben verloren haben.
Diese Ikone wurde in der einzigartigen Technik der Petrykivka-Malerei angefertigt, die sich durch kunstvolle Darstellungen von Pflanzen und Vögeln auszeichnet. Dieser Stil der ukrainischen Malerei wurde von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt.
Unter den ausgestellten Werken befinden sich auch Arbeiten von Eltern, die ihre Söhne an der Front verloren haben. Dazu gehören insbesondere die Frau eines Priesters, Ivanka Dymyd Krypyakevych, sowie Bohdan Pylypiv, der seine Werke in der Technik der Pyrographie anfertigt – einer Kunstform, die nur wenige Künstler weltweit beherrschen.
Unter seinen Werken gibt es eines, das mir besonders am Herzen liegt, nicht nur, weil es ein persönliches Geschenk von Herrn Pylypiv an mich ist, sondern auch wegen der tiefen Botschaft, die dieses Werk in sich trägt: „Umarme mich, Mama, vertreibe die schwarze Nacht.“ So viele Kinder in der Ukraine schmiegen sich heute an die Brust ihrer Mütter und suchen Schutz vor russischen Bomben und Drohnen.
So viele von uns, Kinder Gottes, die die verschiedenen Prüfungen und Schwierigkeiten der heutigen Zeit durchleben, brauchen es, die mütterliche Wärme und Zärtlichkeit zu spüren und sich an die Brust der Mutter zu schmiegen.
Wenn wir den Rosenkranz beten, halten wir die Hand der Allerheiligsten Gottesmutter, die uns als Führerin – Hodegetria – auf den Wegen des Lebens leitet.
Wenn wir den Akathistos beten, werfen wir uns mit jedem Ruf und jeder Anrufung „Sei gegrüßt!“ in ihre liebevolle Umarmung.
Möge sie uns und unsere Gebete heute annehmen und für uns die nötigen Gnaden erbitten. Möge sie – die Königin des Friedens – uns Frieden schenken!








