„Unser Volk hat all seine Hoffnung auf die Kraft Gottes gesetzt“: Bischof Bohdan Dzyurakh auf der ukrainischen Wallfahrt in Kevelaer
8. Juni 2026
Am 7. Juni fand die jährliche Wallfahrt der Ukrainer zum marianischen Wallfahrtsort Kevelaer statt. An diesem Tag beteten die Gläubigen für ein Ende des Krieges und einen gerechten Frieden für die Ukraine. Die Göttliche Liturgie wurde vom Apostolischen Exarchen, Bischof Bohdan Dzyurakh, geleitet. Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst vom Chor St. Theodosius, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert. Nachfolgend fassen wir die zentralen Gedanken der Predigt von Bischof Bohdan zusammen.

Die Gnade des Heiligen Geistes und die Widerstandsfähigkeit des ukrainischen Volkes
In seiner Predigt zum Sonntag der Allerheiligen des ukrainischen Volkes ging Bischof Bohdan Dzyurakh auf die Verbindung zwischen der Heiligkeit eines Volkes und seiner Widerstandsfähigkeit ein. Er betonte, dass die Kraft des Heiligen Geistes die Ukraine in einem Maß stärke, dass „die ganze Welt sich wundert, bewundert und das Haupt vor der Heldentat unserer Söhne und Töchter neigt“.
Der Bischof erinnerte daran, dass Heiligkeit kein Privileg von Auserwählten sei, sondern die Berufung jedes Getauften: „Wir selbst tragen das Verlangen nach Heiligkeit und den Beginn der Heiligkeit, den wir in der Heiligen Taufe erhalten haben, in uns.“ Aus diesem Grund bleibe die Kirche unbesiegbar: „Wo Heiligkeit ist, da ist Gott der Herr. Und Gott kann von keinen Höllenmächten besiegt werden.“
Trösterin der Betrübten
Ein weiterer Schwerpunkt der Predigt war die Betrachtung des Bildes der Gottesmutter als Consolatrix Afflictorum – Trösterin der Betrübten. Bischof Bohdan Dzyurakh wies darauf hin, dass die Heilige Jungfrau deshalb die Trösterin sei, weil sie voll der Gnade des Heiligen Geistes ist: „Sie hat auf Golgatha standgehalten, trotz des schrecklichen Schmerzes und Kummers, in den ihre unbefleckte Seele gehüllt war.“ In den Himmel aufgenommen, habe sie ihre Kinder nicht verlassen. Dies sei auch der Grund, warum die Pilger nach Kevelaer kamen, um ihre Präsenz und Fürsprache zu erfahren.
Der Bischof zog eine Parallele zwischen der Berufung der Gottesmutter und der jedes Gläubigen und wandte sich an die Gemeinde: „Lasst uns heute als gute Kinder der Gottesmutter aufstehen, um Tröster für unsere Mitmenschen zu sein – durch Gebet, durch Worte des Trostes und der Unterstützung, aber auch durch großzügige Werke der Barmherzigkeit. Denn Trost darf nicht bei Gefühlen oder Worten stehen bleiben. Er muss seine Verwirklichung in Werken der barmherzigen Liebe finden.“
Geschichte der Heiligkeit des ukrainischen Volkes
Die Predigt beinhaltete zudem einen Rückblick auf zwei Jahrtausende Heiligkeit des ukrainischen Volkes. Bischof Bohdan Dzyurakh erinnerte an die Berufung des Apostels Andreas des Erstberufenen, der der Überlieferung nach auf den Hügeln von Kyjiw predigte und voraussagte, dass dort die Herrlichkeit Gottes aufleuchten werde. „Diese Herrlichkeit Gottes leuchtet bis heute – nicht nur in den Kirchen mit goldenen Kuppeln, sie leuchtet heute in den Seelen des gläubigen ukrainischen Volkes“, erklärte er.
Er nannte eine Reihe von Heiligen, die die spirituelle Identität der Ukraine prägten: Papst Klemens, den ersten Prediger des christlichen Evangeliums auf der Krim, die Slawenapostel Kyrill und Methodius, die apostelgleichen Olha und Wolodymyr, die Leidensdulder Borys und Hlib, die Asketen Antonius und Theodosius von den Kiewer Höhlen, bis hin zu den zahlreichen Märtyrern des 20. Jahrhunderts und den heutigen Soldaten, die „das Größte opfern – ihr Leben aus Liebe zu Gott, zum eigenen Volk, zur eigenen Erde.“ „Sie sind noch nicht in unsere Kirchenkalender eingetragen“, fügte der Bischof hinzu, „aber sie sind bereits im Buch des ewigen Lebens im Himmel verzeichnet.“
Besuch von Papst Johannes Paul II. und seine Botschaft
Ein weiterer Teil der Predigt war dem Vermächtnis des heiligen Papstes Johannes Paul II. anlässlich des 25. Jahrestages seines ersten und einzigen Besuchs in der Ukraine im Juni 2001 gewidmet. Bischof Bohdan Dzyurakh zitierte die Worte des Papstes, die dieser in Boryspil gesprochen hatte: „Im Wort Ukraine liegt der Aufruf zur Größe eurer Heimat… Volk, das auf diesem Land lebt, vergiss das nicht.“ Diese Worte richtete er an die Pilger in Kevelaer: „Selbst wenn wir in der Fremde sind, in diesem gastfreundlichen deutschen Land, lasst uns nicht das Wasser des Dnipro, unsere Muttersprache und unsere Verwandten, Brüder und Schwestern in der Heimat vergessen.“
Der Bischof erinnerte zudem an die Worte, mit denen Johannes Paul II. in Lwiw die Seligsprechung von 27 ukrainischen Märtyrern verkündete: „Möge Gott der Herr eure Wunden mit dem Öl der Barmherzigkeit und des Trostes befeuchten, damit ihr mit Vertrauen auf das schauen könnt, was euch erwartet. Mit der Gewissheit im Herzen, dass ihr Kinder eines Vaters seid, der euch zärtlich liebt.“ „Wir wussten damals noch nicht, was uns erwartet“, fügte der Bischof hinzu. „Aber Johannes Paul II. wusste es wohl.“
Gebet für den Frieden und Dank
Die Predigt schloss mit einem Fürbittgebet für die Ukraine. Bischof Bohdan Dzyurakh bat den Herrn, „der durch die Dörfer und Städte Galiläas zog und die gute Nachricht predigte“, der Ukraine „die gute Nachricht von einem gerechten, lang ersehnten und dauerhaften Frieden“ zu bringen, und den, „der alle Krankheiten und Wunden heilte“, die seelischen und körperlichen Wunden des Volkes zu heilen.
Zum Abschluss der Wallfahrt wurde der Akt der Weihe der Ukraine unter den Schutz der Allerheiligsten Gottesmutter erneuert. In Kevelaer befindet sich eines der bekanntesten katholischen Heiligtümer Deutschlands – das Bildnis der Allerheiligsten Gottesmutter, bekannt als Consolatrix Afflictorum (Trösterin der Betrübten). Dieses Bildnis ist ein Zeuge für die Wunden des Dreißigjährigen Krieges in Europa und zugleich ein Ort des Gebets, der Versöhnung und der Wiederherstellung der Hoffnung. Jedes Jahr kommen Ukrainer zum Gebet an dieses Heiligtum.







